Flipper → Gottlieb

Gottlieb · 1980

Torch

Torch, Backglas

Der Gottlieb “TORCH” ist ein elektronischer Flipperautomat, der im Februar 1980 von der Firma D. Gottlieb & Co. auf den Markt gebracht wurde. Er fängt die technologische Übergangszeit der Pinball-Industrie perfekt ein, da er zu den ersten vollelektronischen (Solid-State) Geräten des Herstellers gehört, optisch aber noch stark den Charme der klassischen elektromechanischen Vorgänger versprüht.

Das Design des Automaten widmet sich sportlichen Wettkämpfen und ist visuell an die Olympischen Spiele bzw. den Zehnkampf (Decathlon) angelehnt. Die kunstvolle Gestaltung auf dem Gehäuse und dem Backglass stammt aus der Feder des bekannten Illustrators Gordon Morison, der für das ikonische Erscheinungsbild zahlreicher Gottlieb-Klassiker verantwortlich war. Da der Automat genau in der Ära produziert wurde, in der die mechanischen Zählwerke durch digitale Platinen und Displays ersetzt wurden, kombiniert der Torch modernere Solid-State-Technik (helle Lichter, elektronische Sounds) mit dem traditionellen, schnellen Spielgefühl der 1970er-Jahre. Das Spielfeld des Torch gilt unter Enthusiasten als abwechslungsreich und bietet für die damalige Zeit spannende mechanische Features: Das “Roto-Wheel” (Roto-Target), ein rotierendes Zielrad unter der Spielfläche, das eine patentierte Eigenheit von Gottlieb ist. Beim Torch zeigt dieses Rad die Zahlen 1, 2 und 3. Das Ziel ist es, die getroffenen Nummern auf einer Art Tic-Tac-Toe-Feld auf dem Spielfeld zu sammeln. Schafft man es, bestimmte Reihen oder das komplette Feld zu füllen, winken massive Bonus-Multiplikatoren (bis zu 10-fach) beim Ballverlust. Der Spielfeld besitzt zudem Pop-Bumpers (Schlagtürme), eine 5er-Gruppe von Drop-Targets sowie diverse Stand-up-Targets. Das Spiel startet direkt mit einem Präzisionsschuss (Skill Shot) an der Abschussrampe, um sich frühzeitig Bonuspunkte zu sichern. Aufgrund des begrenzten Exports und des Alters sind vollständig restaurierte Modelle des Torch heute Raritäten.

Da das Thema des Flippers die Olympischen Spiele bzw. der Zehnkampf (Decathlon) ist, sind im Hintergrund diverse Nationalflaggen abgebildet.

Auf dem offiziellen Werbeflyer des Herstellers prangt in der oberen linken Ecke des Backglass unverkennbar die Flagge der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) mit Hammer und Zirkel im Ährenkranz. Bei fast allen Seriengeräten, die letztlich in den Arcades landeten, ist diese Flagge jedoch plötzlich verschwunden. Warum Gottlieb das Design mitten in der Produktion änderte, wurde nie offiziell dokumentiert. Sammler spekulieren bis heute, ob politische Spannungen des Kalten Krieges oder rechtliche Bedenken wegen der Verwendung von Staatsesymbolen der Grund für die eilige Retusche waren. Wer heute ein Backglass mit DDR-Flagge besitzt, hat eine absolute Rarität.

Der Flipper sollte ursprünglich gar nicht Torch (Fackel) heißen. In den internen Entwicklungsbüros von Gottlieb wurde das Projekt bis kurz vor der Serienreife unter dem Namen “Decathlon” (Zehnkampf) geführt. Erst im Januar 1980 – nur wenige Wochen vor der Veröffentlichung – entschied man sich für das metaphorische Torch, vermutlich um den Fokus rein auf das olympische Feuer zu lenken, anstatt den Automaten namentlich auf nur eine einzige Sportart zu beschränken.

Torch, Backglas
Backglas · Zoom
Torch, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Torch, Maschine
Maschine · Zoom