Gottlieb · 1980
Star Race

Der Star Race Flipper wurde im November 1980 von D. Gottlieb & Co. veröffentlicht und gehört heute zu den seltenen Sammlerstücken der sogenannten System 80-Ära. Das Gerät besticht durch sein breites Gehäuse und ein futuristisches Weltraum-Design. Star Race ist eines der wenigen Modelle, die Gottlieb in einer extrabreiten Gehäusevariante (Widebody Cabinet) für die System 80-Architektur gebaut hat – ein weiteres bekanntes Modell dieser Reihe ist Circus. Da Gottlieb zu dieser Zeit oft übrig gebliebene Gehäusebestände aufbrauchte, lief die Produktion im Vergleich zu Konkurrenten wie Williams eher gering. Das macht den Flipper heute zu einem echten Sammlerobjekt.
Das Spiel- und Playfield-Design stammt von John Buras, während das farbenfrohe Sci-Fi-Artwork auf dem Spielfeld und dem Backglass von David Moore entworfen wurde.
Das einzigartige Bonus-Multiplikator-System (Gelb & Grün). Im Gegensatz zu fast allen anderen Flippern reicht es bei Star Race nicht aus, einfach nur “die Multiplikatoren” zu erhöhen. Das System ist in zwei separate Farb-Pfade unterteilt: Gelb und Grün. Um den Bonus-Multiplikator tatsächlich auf 2X, 3X, 4X oder 5X anzuheben, musst du sowohl einen gelben als auch einen grünen Fortschritt erzielen. Wer fleißig vier gelbe Fortschritte sammelt, aber keinen einzigen grünen, geht beim Bonus-Multiplikator komplett leer aus.
Ein mathematisch ausgewogenes Spiel ist hier der Schlüssel zum Highscore. Die Hauptziele auf dem PlayfieldUm diese Multiplikatoren und die Punktejagd voranzutreiben, steuert man primär vier Elemente an: Die oberen Rollover-Lanes (1 bis 4): Beim Kugelabschuss (Skillshot) gilt es, gezielt die noch unbeleuchteten Bahnen zu treffen. Die Bahnen schalten die unteren Rücklaufbahnen (Return Lanes) frei. Das Vervollständigen bestimmter Kombinationen (z. B. Lane 1 oder 2) aktiviert die wichtige Kugel-Auffangschale (Collect Bonus Saucer) im oberen rechten Bereich für den gelben bzw. grünen Fortschritt.
Die zwei Vari-Targets: Diese mechanischen Schiebe-Ziele belohnen die Wucht deines Schusses. Je weiter der Ball das Target nach hinten drückt, desto höher fallen die Punkte (von 1.000 bis 5.000) und der direkte Bonus-Vorschub aus. Buchstabiert man über sie komplett S-T-A-R oder R-A-C-E, winkt ein Special (Freispiel/Extrapunkte).
Das Abräumen der mittleren Fallziele erhöht den Basis-Bonus massiv. Turnierspieler nutzen die Strategie UTAD (Up Too Anything Days / Ball einfach konstant nach oben schießen) und holen die Drop-Targets nur dann gezielt ab, wenn nur noch ein einziges Ziel zur Komplettierung der Bank fehlt. Durch das gezielte Treffen des oberen Loops oder der linken Drop-Target-Bank lassen sich Bälle virtuell “locken”, um das maximale Chaos mit drei Kugeln gleichzeitig auf dem Widebody-Playfield zu starten.
Die Risiko-Zone (Key Feed). Ein wichtiges Systemelement des Tischs ist seine Tücke im oberen linken Bereich, direkt unter der Hufeisen-Schleife (Horseshoe Loop): Fällt die Kugel von dort zu sanft oder unkontrolliert auf den darunter liegenden Gummipuffer, prallt sie in einem Winkel ab, der extrem häufig zu direkten Center-Drains (Kugelverlust genau zwischen den Flipperfingern) führt. Erfahrene Spieler versuchen diesen Bereich deshalb strategisch zu meiden oder die Kugel sofort aktiv abzufangen.
Eine der hartnäckigsten Geschichten unter Sammlern besagt, dass der Star Race (genau wie sein Schwestermodell Circus) vor allem deshalb als sogenannter “Extra-Widebody” gebaut wurde, weil Gottlieb schlichtweg übrig gebliebene, übergroße Holzgehäuse aufbrauchen musste. Der Tisch ist nochmals rund drei Zoll (ca. 7,6 cm) breiter als die regulären Widebody-Modelle der System-80-Reihe. Weil Gottlieb zu dieser Zeit produktionstechnisch und finanziell durch den späten Wechsel auf die Solid-State-Elektronik ins Hintertreffen geriet, wurde die Not zur Tugend gemacht.
Der Star Race fiel genau in die Phase, als die traditionsreiche Ideenschmiede Gottlieb an den Medienkonzern Columbia Pictures verkauft wurde. Nur kurze Zeit nach dem Release des Flippers beschloss das neue Management, die Marke Gottlieb im Zuge des damaligen Arcade- und Videospiel-Hypes in Mylstar Electronics umzubenennen, um den Fokus komplett weg vom Flipper und hin zu Videospielen zu lenken. Bei der feierlichen Verkündung des neuen Firmennamens vor der Belegschaft meldete sich der legendäre Chef-Designer Ed Krynski zu Wort und fragte den Vize-Präsidenten trocken: „Hat Ihre teure Marktforschung für diesen großartigen neuen Namen eigentlich auch herausgefunden, dass ‘Mylstar’ rückwärts gelesen ‘rat slime’ (Rattenschleim) bedeutet?“ Der gesamte Saal brach in Gelächter aus. Die Geschichte zeigt, wie frustriert die Flipper-Veteranen damals über die Konzernentscheidungen waren – eine Frustration, die auch die sprunghafte Qualität der frühen System-80-Geräte wie Star Race erklärt.


