Flipper → Gottlieb

Gottlieb · 1980

Time Lne

Time Lne, Backglas

Der Time Line Flipperautomat ist ein Flipper der frühen Solid-State-Ära (elektronische Flipper). Er wurde im Oktober 1980 von der Firma D. Gottlieb & Co. auf den Markt gebracht. Mit einer Produktionszahl von 3.167 Einheiten gehört er heute zu den selteneren und gesuchteren Sammlerstücken dieser Epoche. Das Thema des Automaten dreht sich – wie der Name vermuten lässt – um eine futuristische Zeitreise im minimalistischen Sci-Fi-Design der frühen 80er Jahre.

Das absolute Highlight und Alleinstellungsmerkmal des Time Line ist das integrierte Tic-Tac-Toe-Spielfeld. Der Spieler reist durch die Zeit und tritt in einer Partie Tic-Tac-Toe wahlweise gegen eine Amazone oder ein Raumschiff an. Auf der Backglass-Scheibe befindet sich eine 3x3-Matrix. Durch das Treffen bestimmter Target-Bänke (Drop Targets) oder das Überrollen von Lanes auf dem Spielfeld aktiviert man die Quadrate auf dem Tic-Tac-Toe-Feld. Für jeden Zug, den der Spieler auf dem Feld macht, setzt auch der Flipper-Computer einen Zug. Gelingt dem Spieler ein Tic-Tac-Toe (eine Dreierreihe), winken massive Punkte-Schnittstellen, Extra-Bälle, “Specials” sowie eine Erhöhung des Bonus-Multiplikators (bis zu 5x).

Der Flipper besitzt im oberen Bereich ein kleines, erhöhtes Mini-Playfield, das zusätzliche Ziele und Punkteverteilungen bereithält. Das Hauptspielfeld ist stark symmetrisch aufgebaut und verfügt über zwei große Bänke von Drop Targets (Fallzielen). Werden diese komplett abgeräumt, öffnen sich unter anderem Tore in den Außenbahnen, um die Kugel vor dem Aus zu retten. Ungewöhnliche Bonus-Anzeige: Eine Besonderheit für Sammler und Techniker ist, dass der gesammelte Bonus nicht wie üblich auf dem Spielfeld selbst hochgezählt wird. Stattdessen wird der Bonusstand über ein separates, kleines Display in der Mitte des Backglass angezeigt. Der Flipper gilt unter Enthusiasten als schnell, präzise und unbarmherzig. Das symmetrische Layout erfordert ein exaktes Ballgefühl und kontrollierte Schüsse. Da der Bonus-Multiplikator nach dem Erreichen des Maximums (5x) und einem weiteren Tic-Tac-Toe-Gewinn wieder auf 2x zurückgesetzt wird, verlangt das Gerät echtes strategisches Mitdenken. Man muss genau abwägen, wann man welche Ziele anvisiert.

Die offizielle Prämisse des Spiels gilt in der heutigen Popkultur als herrlich trashiges Paradebeispiel für die späten 70er und frühen 80er Jahre. Ein zeitgenössischer Spieletester beschrieb das Thema des Flippers einmal so:

„Leicht bekleidete Amazonen-Kriegerinnen, die in einer postapokalyptischen Zukunft nukleares Tic-Tac-Toe gegen einen laserbewaffneten, zeitreisenden Roboter spielen – das ergab 1980 in den Köpfen der Designer offenbar absolut Sinn!“

Die absurde Mischung aus Urzeit-Fantasy (der Amazone) und Space-Opera (dem Roboter) war Gottliebs Versuch, auf der damaligen Science-Fiction-Welle von Filmen wie Star Wars mitzureiten, ohne jedoch teure Lizenzgebühren zahlen zu müssen.

Das obere, erhöhte Mini-Spielfeld (Upper Playfield) besitzt eine eigene mechanische Eigenheit, die bei Spielern damals für Schweißausbrüche sorgte. Wenn die Kugel auf das Mini-Spielfeld geschossen wird, aktivieren sich dort oben die Flipperfinger. Um das wichtige Mittelfeld der Tic-Tac-Toe-Matrix zu ergattern, muss der Spieler alle 7 Fallziele (Drop Targets) dort oben abräumen.Der Haken: Sobald man das erste Ziel trifft, läuft im Hintergrund ein unbarmherziger 10-Sekunden-Timer ab. Schafft man es in dieser Zeit nicht, alle Ziele abzuräumen, schaltet der Flipper-Computer den Strom zu den oberen Flipperfingern eiskalt ab. Die Finger erschlaffen augenblicklich und die Kugel rollt unrettbar nach unten weg.

Time Lne, Backglas
Backglas · Zoom
Time Lne, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Time Lne, Maschine
Maschine · Zoom