Williams · 1976
Space Mission

Der Space Mission von Williams Electronics ist ein legendärer, elektromechanischer (EM) Flipperautomat, der im Januar 1976 veröffentlicht wurde. Das Gerät gilt als Meilenstein der Flippergeschichte, da es die historische Apollo-Soyuz-Test-Projekt-Mission von 1975 (das erste gemeinsame Raumfahrtprojekt der USA und der Sowjetunion) thematisiert.
Designer: Der legendäre Steve Kordek (Vater vieler Flipper-Innovationen)
Grafik/Artwork: Christian Marche, dessen unverkennbarer Stil hier auf einem Gemälde des NASA-Künstlers Robert McCall basiert.
Produktionszahl: 11.652 Einheiten. Zusammen mit der 2-Spieler-Version Space Odyssey (4.300 Stück) gehört das Gerät mit fast 16.000 Einheiten zu den vier erfolgreichsten Williams-Flippern überhaupt.
Der Flipper entstand direkt unter dem Eindruck der Entspannungspolitik im Weltraum. Auf dem Gehäuse und insbesondere dem Backglass (der Kopfscheibe) sind unverkennbar die Logos und Flaggen der USA (NASA) und der Sowjetunion (CCCP) zu sehen, die die Kopplung der beiden Raumschiffe im All zelebrieren. Für die damalige Zeit des Kalten Krieges war diese offene Darstellung von Kooperation auf einem westlichen Unterhaltungsgerät eine Besonderheit.
Besondere Spielfeld-Features
Swinging Target (Schwingendes Ziel): Das absolute Highlight des Flippers. In der Mitte des oberen Spielfelds bewegt sich ein bewegliches Target permanent von links nach rechts. Es im richtigen Moment zu treffen, bringt enorm viele Punkte, birgt aber das Risiko gefährlicher Querschläger.
Horseshoe Lane (Hufeisen-Gasse): Oben rechts befindet sich eine U-förmige Gasse mit einem Überrollkontakt, der bis zu 5.000 Punkte einbringt und den Bonus drastisch erhöht.
Kickback & Eject Holes: Das Gerät besitzt zwei Kickback-Spuren nahe den Flipperfingern, die die Kugel retten können, sowie zwei Auswurflöcher, die bei beleuchteten Buchstaben (A-B-C) einen doppelten Bonus wert sind.
Rollunder Spinner: Ein klassischer Punkte-Kreisel, der bei den richtigen Licht-Kombinationen satten Punkte-Zuwachs garantiert.
Auf dem Spielfeld sind drei zentrale Kontakte verteilt, die mit den Buchstaben A, B und C beleuchtet sind:
A-Kontakt: Befindet sich auf der linken Seite.
B-Kontakt: Liegt im linken oberen Auswurfloch (Eject Hole).
C-Kontakt: Befindet sich auf der rechten Seite.
Sobald du alle drei Buchstaben (A, B und C) während einer Kugel komplettiert hast, leuchtet das rechte Auswurfloch für den Double Bonus (Doppelter Bonus am Kugelende). Schafft man es in derselben Kugel, das Set ein zweites Mal zu komplettieren, wird der Extra Ball freigeschaltet.
Das Herzstück des Gameplays ist das motorisierte Pendel-Target in der oberen Mitte. Dieses Ziel schwingt permanent von links nach rechts.
Triffst du es, schaltet es den Bonus-Zähler (die Bonus-Leiter in der Mitte des Spielfelds) jeweils um 1.000 Punkte weiter hoch (maximal bis 19.000 Punkte).
Der Clou: Ist der Bonus-Zähler voll geladen, leuchtet das Swinging Target für den Special (Freispiel/Extrapunkte). Das Treffen ist jedoch riskant, da Fehlschüsse direkt in die Mitte (“Center Drain”) zwischen die Flipperfinger abprallen können.
Oben rechts befindet sich eine halbrunde U-Bahn-Gasse. Ein präziser Schuss hierhindurch ist extrem wertvoll:
Normaler Zustand: Bringt 1.000 Punkte und erhöht den Bonus um eine Stufe.
Collect Bonus: Wenn das Spielfeld so weit freigespielt ist, leuchtet die Horseshoe-Gasse für “Collect Bonus”. Ein erfolgreicher Schuss zahlt dir sofort deinen gesamten, aktuell angesammelten Bonus aus, ohne den Zähler zurückzusetzen. Du kannst deinen Bonus danach am Ende der Kugel also noch ein zweites Mal kassieren!
Es gibt zwei Auswurflöcher auf dem Spielfeld:
Linkes Loch: Erhöht den Bonus und vergibt den “B”-Buchstaben. Wenn es beleuchtet ist, bringt es saftige 5.000 Punkte.
Rechtes Loch: Dient primär dazu, den erarbeiteten Double Bonus oder den Extra Ball einzulösen, sobald das A-B-C-Set vervollständigt wurde.
Kickback (Linke Außenbahn): Wenn die Kugel in die linke Außenbahn rollt, wird sie durch ein mechanisches Relais (“Kickback”) wieder aktiv ins Spiel zurückgeschossen. Das Kickback muss jedoch meist über die oberen Überrollkontakte (Rollover Lanes) zuerst beleuchtet bzw. aktiviert werden.
Spinner (Kreisel): Ein Schuss durch die rechte Überrollgasse dreht ein kleines Plastikschild. Ist der Spinner durch das Treffen anderer Kontakte auf “1.000 Points per Spin” beleuchtet, lässt sich hier mit einem harten Schuss extrem schnell der Punktestand in die Höhe treiben.
Das wunderschöne, farbenfrohe Backglass des Flippers zeigt die historische Koppelung der US-amerikanischen Apollo- und der sowjetischen Sojus-Kapsel im Jahr 1975. Designer-Legende Steve Kordek erzählte später, dass er die Vorlage für das Artwork direkt von der NASA erhalten hatte. Es handelte sich um ein offizielles Gemälde des berühmten Weltraum-Künstlers Robert McCall (der auch die Plakate für Stanley Kubricks 2001: Odyssee im Weltraum malte). Williams-Grafiker Christian Marche wandelte dieses Bild in seinen typischen, kantigen 70er-Jahre-Stil ab. Auf dem Glas prangen unübersehbar die Flaggen der beiden verfeindeten Supermächte.
Parallel zu Space Mission (4 Spieler) erschien die 2-Spieler-Version Space Odyssey. In der Flipper-Community hält sich hartnäckig das Gerücht, dass Williams die Produktion der Space Odyssey-Variante (die sich deutlich schlechter verkaufte als Space Mission) vorzeitig stoppte, weil das Management Angst vor einer Millionenklage von Stanley Kubrick hatte. Kubricks Anwälte waren damals berüchtigt dafür, alles zu verklagen, was im Fahrwasser seines Kultfilms 2001: A Space Odyssey schwamm (sie verklagten unter anderem die TV-Serie Space: 1999). Williams ging auf Nummer sicher und fokussierte sich fortan fast nur noch auf den Namen Space Mission.
Obwohl Flipper in den USA im Jahr 1976 durch den berühmten Gerichtsprozess von Roger Sharpe (der bewies, dass Flippern ein Geschicklichkeitsspiel und kein Glücksspiel ist) gerade erst wieder legalisiert wurden, war der Space Mission ein riesiger Export-Schlager. Mehr als die Hälfte der Geräte (über 6.000 Stück) ging ins Ausland. Eine große Lieferung ging damals nach Schweden an die Betreiberfirma Cherry bolagen (heute bekannt als der Glücksspiel-Riese Cherry), wo die Geräte in schwedischen Kneipen über Jahre hinweg ununterbrochen im Dauereinsatz liefen, bevor sie in den 1980ern in private Sammlerhände übergingen.


