Williams · 1977
Big Deal

Unter dem Namen „Big Deal“ hat der renommierte Hersteller Williams zwei völlig unterschiedliche Flipperautomaten herausgebracht. Beide wurden von der Flipper-Legende Steve Kordek entworfen und teilen das Thema Karten- und Glücksspiel, stammen jedoch aus völlig unterschiedlichen Epochen der Flippergeschichte.
Dieser Big Deal ist für Sammler von historischer Bedeutung. Er kam im Januar 1977 auf den Markt und war einer der letzten rein elektro-mechanischen (EM) Flipper, bevor sich die digitale Solid-State-Technik (SS) durchsetzte.
In den 1970er-Jahren lieferten sich die großen Hersteller (Williams, Bally, Gottlieb) einen unerbittlichen Technologie-Krieg. Williams hatte bis dahin ein großes Manko: Sie verbauten Fallziele (Drop Targets) immer nur einzeln über das Spielfeld verstreut. Die Konkurrenz von Bally feierte dagegen bereits Riesenerfolge mit zusammenhängenden Flipper-Zielbänken.
Die Legende besagt, dass Designer-Ikone Steve Kordek unter massivem Druck stand, endlich nachzuziehen. Da die Produktion neuer, digitaler Platinen noch auf sich warten ließ, konstruierte Kordek eine rein mechanische, extrem komplexe Steuerung für die erste zusammenhängende 3er- und 4er-Fallzielbank des Hauses. Als der Flipper im Januar 1977 erschien, schrie das Marketing förmlich: „Seht her, wir können das jetzt auch!“ Für Williams war die Kiste also im wahrsten Sinne des Wortes ein „Big Deal“ (ein Riesengeschäft/Meilenstein). Dieses Feature prägte das Gameplay von Flippern für das darauffolgende Jahrzehnt maßgeblich.
Das auffällige, farbenfrohe Artwork im unverkennbaren 70er-Jahre-Stil wurde von dem berühmten Künstler Christian Marche entworfen.
Der Flipper ist für bis zu 4 Spieler ausgelegt und bietet 2 Flipperfinger, 2 Pop-Bumper, 3 Standup-Targets, eine 3er- sowie eine 4er-Fallzielbank und eine Hufeisen-Spur (Horseshoe Lane).
Mit insgesamt 7.301 produzierten Einheiten war das Modell ein großer wirtschaftlicher Erfolg, wobei weit mehr als die Hälfte (4.434 Stück) in den Export gingen – viele davon nach Europa.
Das Spielsystem des Williams „Big Deal“ (1977) dreht sich passend zum Thema komplett um das Kombinieren von Spielkarten (Poker-Kombinationen) über die verschiedenen Ziele auf dem Spielfeld. Ziel ist es, ein sogenanntes „Full House“ (drei Gleiche und ein Paar) zu vervollständigen, um die höchsten Punkte-Boni und Freispiele (Specials) freizuschalten.
Hier sind die zentralen Gameplay-Mechaniken im Detail:
Der Flipper ist historisch bedeutsam, weil er als erster Williams-Flipper überhaupt zusammenhängende Fallziel-Bänke einführte. Auf dem Spielfeld befinden sich zwei getrennte Bänke, die die Spielkarten repräsentieren:
Die 3er-Bank (Mitte links): Diese Ziele stehen für die Drei Könige (Kings).
Die 4er-Bank (Mitte rechts): Diese Ziele stehen für die Vier Asse (Aces).
Sobald man alle Ziele einer Bank komplett abgeräumt hat, klappen sie automatisch wieder hoch, und man erhält einen großen Punkte-Bonus.
Das „Full House“-System & Bonus-Multiplier
Der Kern des Spielsystems ist das Sammeln von Bonuspunkten, die am Ende jeder Kugel (Ball) abgerechnet werden:
Jedes getroffene Ass oder König schaltet die entsprechende Karte auf dem Bonuszähler (Bonus Leiter) hoch.
Trifft man 3 Könige und 2 Asse, hat man ein Full House erzielt.
Das Vervollständigen des Full House beleuchtet den 2x- und schließlich den 3x-Bonus-Multiplier an den oberen Überrollbahnen (Roll-overs). Damit wird der gesamte gesammelte Bonus am Ende der Kugel verdreifacht.
Die Hufeisen-Spur (Horseshoe Lane)
Im oberen Bereich des Spielfelds befindet sich eine U-förmige Kurve, die Horseshoe Lane.
Schießt man die Kugel erfolgreich durch diese Bahn, werden im Wechsel die „When Lit“-Funktionen an den seitlichen Auslaufbahnen (Outlanes) aktiviert.
Wenn man die Spur durchläuft, während sie beleuchtet ist, gewährt sie sofort einen hohen Punkte-Sofortgewinn (5.000 Punkte).
Das „Special“ (Freispiel)
Hat man es geschafft, das maximale Full House aufzubauen und alle Fallziele abzuräumen, leuchtet das „Special“-Licht an den äußeren Outlanes oder an der Horseshoe-Spur. Gelingt jetzt ein Schuss in diese aktivierte Zone, belohnt dich der Automat mit einem lauten Klack – dem klassischen Freispiel (Credit).
Der Big Deal kam im Januar 1977 auf den Markt. Nur ein paar Monate später stellte Williams die Produktion fast vollständig auf die neue, lautlose Solid-State-Technik (digitale Displays) um. Deswegen gilt der Big Deal als einer der „letzten echten Dinosaurier“. Fans lieben ihn für seine akustische Kulisse: Wenn vier Spieler gleichzeitig spielen, das Full House abgerechnet wird und im Inneren die mechanischen Score-Räder, die 3 analogen Glocken (Chimes) und die Relaisboxen wie ein kleines Orchester losrattern, ist das Flipper-Nostalgie in Reinform. Kaum ein anderes Gerät steht so sehr für das mechanische „Klack-Klack-Klack“ kurz vor dem Einzug der Computerchips.


