Williams · 1977
Hot Tip

Mit dem Hot Tip begann das digitale Zeitalter auch bei Williams. Zwar gab es schon Einzelgeräte von Grand Prix (System 1) und Aztec (System 2), aber dies waren nur Testgeräte. Erst der Hot Tip wurde dann wirklich verkauft. Er besaß eine System 3 CPU die zwar im Großen und Ganzen den späteren Platinen (System 4, 6 und 7) ähnelte, aber noch “Kinderkrankheiten” hatte. Technisch deutet alles darauf hin, dass Williams möglichst schnell ein elektronisches Gerät auf den Markt bringen musste und dabei auch technische Probleme in Kauf nahm. Da Bally schon ein halbes Jahr vorher in die digitale Massenproduktion eingestiegen war, drängte die Zeit. Man hatte einfach keine Zeit für groß angelegte Tests und Änderungen. Während Williams ab jetzt alle 6-12 Monate die Technik änderte, blieb sie bei Bally über fast 10 Jahre ohne große Änderungen bestehen. Trotz aller Mängel laufen aber auch diese Maschinen heute zuverlässig, da man fast alle späteren Änderungen am Layout nachträglich modifizieren kann.
Spielerisch erinnert der Hot Tip stark an ältere elektromechanische Geräte. Kein Wunder, wurde er doch 3 Monate zuvor auch in einer mechanischen Version gebaut. Wie auch alle anderen Hersteller sah Williams am Anfang die Digitalisierung nur als Mittel dafür an, mechanische Bauteile und damit Produktionskosten zu senken. Dass die Computertechnik viel ausgereiftere und tiefer gehende Spielsysteme ermöglicht, wurde erst viel später erkannt und umgesetzt. Obwohl das Spielfeld-Layout der SS- und der EM-Version identisch ist, unterscheidet sich die Punktevergabe zwischen den beiden Versionen erheblich. Die EM-Version vergibt in der Regel das 10-Fache an Punkten für dieselben Features im Vergleich zur SS-Version (z.B. zählen Inlanes beim EM-Klassiker 5.000 Punkte, während sie beim SS-Gerät 1.000 Punkte bringen und den Bonus erhöhen).
Das Thema dieses Flippers ist Pferderennen. Überall auf dem Spielfeld und der Scheibe sind Szenen aus dem Pferdesport abgebildet, die meisten allerdings etwas ironisiert.
Nach dem Abschuss gelangt der Ball ans obere Spielfeldende. Hier befindet sich ein Kugelfangloch. Dort kann der Spieler neben diversen Punkten auch den Doppelbonus bekommen, wenn er das Loch zum richtigen Zeitpunkt trifft. Unterhalb des Kugelfangloches ist der Schlagturm des Gerätes montiert. Links und rechts davon die beiden Dreifach-Targetbänke mit den H-O-T und T-I-P Zielen. Werden diese zweimal komplett abgeschossen, wird der Wert des Spinners an der linken Spielfeldseite auf 1000 Punkte erhöht und das Kugelfangloch neben dem Spinner wertet einen Extraball wenn es getroffen wird. Werden die HOT-TIP-Targets zum dritten Mal getroffen, so steigt der Wert der Messenger-Kugel auf der rechten Seite auf 3000 Punkte und die Outlanes links und rechts bieten abwechselnd die Möglichkeit eines Freispieles (Special).
Durch diesen relativ offenen Aufbau kann der Spieler lange und gezielte Schüsse auf alle Ziele abgeben. Trotz seiner Einfachheit macht es sehr viel Spaß an diesem Gerät zu spielen.
Wer beim “Hot Tip” gewinnen will, ignoriert oft das gesamte restliche Spielfeld und konzentriert sich stur auf eine einzige Taktik: Die sechs “H-O-T-T-I-P”-Drop-Targets versenken, um den Spinner (das Drehtor) zu beleuchten. Ist dieser erst einmal beleuchtet, bringt jeder einzelne Dreher massive Punkte. Turnierspiele auf dem “Hot Tip” arteten deshalb oft in endlose, monotone Schüsse auf den Spinner aus, was Kommentatoren scherzhaft als “so spannend wie Farbe beim Trocknen zuzusehen” bezeichneten – und dennoch sorgt das laute Surren des mechanischen Zählwerk-Dummys bei jedem Treffer für puren Nervenkitzel.
Bemerkenswert ist auch noch, dass Williams zusätzlich zum Glockenspiel auch noch ein mechanisches Zählwerk wie es die mechanischen Flipper im Kopf hatten im unteren Gehäuse verbaut hat. Dieses Zählwerk wird immer parallel zu den Glocken angesteuert. Williams war sich nicht sicher, ob die Elektronik von den Spielern angenommen wird und hat sicherheitshalber dieses Zählwerk eingebaut um dem Spieler die von den mechanischen Geräten gewohnte Geräuschkulisse zu bieten. Dieses Geräusche-Zählwerk gibt es nur beim Hot Tip!
Gebaut wurde der Hot Tip 1977. Von der elektronischen Version wurden 4903 Maschinen gebaut, von der mechanischen Version 1300 Maschinen. Das Design dieses Flippers stammt von Tony Krämer, die künstlerische Gestaltung übernahm Christian Marche.


