Williams · 1976
Aztec

Der Aztec-Flipper ist ein absoluter Klassiker unter den Flipperautomaten, der im Februar 1976 von der renommierten Firma Williams Electronics auf den Markt gebracht wurde. Er gehört zu den erfolgreichsten Geräten seiner Ära und markiert gleichzeitig einen historischen technologischen Wendepunkt in der Flipper-Geschichte. Der Aztec wurde standardmäßig als elektromechanischer Flipper (EM) gebaut – also betrieben mit Relais, Schrittschaltwerken und mechanischen Zählwerken. Allerdings nutzte Williams genau dieses Modell im November 1976, um eine extrem kleine Testreihe von nur 10 Prototypen als Solid-State-Geräte (SS) mit digitaler Elektronik (Williams System 2) zu produzieren. Der Test war so erfolgreich, dass Williams bis Ende 1977 seine Produktionslinien komplett auf Elektronik umstellte.
Mit einer Auflage von 10.150 Einheiten ist der Aztec einer von nur drei elektromechanischen 4-Spieler-Flippern von Williams, die die Marke von 10.000 produzierten Geräten überschritten haben. Das Design des Spielfelds stammt von Gordon Horlick. Für das markante, farbenfrohe Artwork im Comic-Stil zeichnete der berühmte Flipper-Künstler Christian Marche verantwortlich. Die Grafiken auf dem Backglass wurden unter anderem durch Illustrationen aus einem alten National Geographic-Buch über die Ureinwohner Amerikas inspiriert.
Der Aztec gilt unter Spielern als schneller, teils erbarmungsloser Flipper, der präzise Schüsse erfordert. Das Hauptziel des Spiels ist es, das Wort „A-Z-T-E-C“ zu buchstabieren. • Sobald Kombinationen wie A-Z-T oder A-E-C getroffen wurden, leuchtet in der Mitte des Spielfelds das Target für einen Extra-Ball auf.
Auf der oberen rechten Seite befindet sich eine spezielle Gasse mit einem elektrischen Rückschlagsystem (Kicker), das die Kugel mit hoher Geschwindigkeit zurück ins Spiel katapultiert.
Der Schlüssel-Buchstabe „A“: Befindet sich als Überrollgasse ganz oben in der Mitte. Sobald die Kugel das „A“ überrollt, schaltet das Spielsystem den linken Spinner (das Drehtor) auf den „High-Score-Modus“ um. Jeder Dreher bringt dann statt der üblichen 100 Punkte satte 1.000 Punkte.
In der unteren Mitte des Spielfelds befindet sich eine vertikale Lichtleiste von 1.000 bis 19.000 Punkten. Fast jeder wichtige Treffer auf dem Spielfeld (Targets, obere Gassen) lässt diese Bonusleiter um einen Schritt nach oben klettern.
Gelingt es Ihnen, bestimmte Target-Kombinationen abzuräumen, leuchtet das „Double Bonus“-Lämpchen auf. Wenn die Kugel ins Aus (Outhole) rollt, zählt das mechanische Relaiswerk im Gehäuse die auf der Leiter erreichte Summe doppelt (also bis zu 38.000 Punkte pro Kugel).
Der „Super Bonus“ (Das Gedächtnis des Flippers)
Eine Besonderheit des Aztec-Spielsystems ist der Super Bonus bei 20.000, 30.000, 40.000 und 50.000 Punkten. Bei den meisten Flippern dieser Ära wird der Bonus am Ende jeder Kugel komplett auf Null zurückgesetzt. Beim Aztec gilt: Erreichen Sie auf der Bonusleiter die 20.000er-Marke, wird dieser Wert im mechanischen Speicher des Geräts permanent eingeloggt. Selbst wenn Ihre Kugel ins Aus geht, startet die nächste Kugel nicht bei Null, sondern direkt bei 20.000 Punkten. Das System erlaubt es so, über das gesamte Spiel hinweg einen gigantischen Bonus von bis zu 100.000 Punkten (50.000 x 2er-Multiplikator) anzuhäufen.
In der linken Außenbahn (Outlane) lauert der sichere Ballverlust. Die rechte Außenbahn hingegen verfügt über ein Kickback-System. Ist dieses aktiv, schießt ein kraftvoller mechanischer Stößel die Kugel im Bruchteil einer Sekunde zurück ins Spiel.
Wer genau auf die mechanischen Zählwerke im Kopf des Aztec schaut, bemerkt etwas Seltsames: Jeder Spieler hat fünf rotierende Zahlenwalzen für die Punkteanzeige. Am Ende jeder Zahl prangt jedoch eine sechste Stelle – eine permanente Null. Diese Walze ist komplett unmotorisiert. Sie dreht sich nie, sondern ist fest auf die „0“ gedruckt (mit aufgemalten Rändern der 9 und der 1, um eine echte Walze vorzugaukeln). Um die Spieler psychologisch zu motivieren, wollten die Hersteller die Scores künstlich in die Höhe treiben. Statt 10 Punkten gab es für einen Treffer nun 100 Punkte. Statt eine teuere, echte sechste Walze mit Relais in jeden Flipper einzubauen, sparte Williams Produktionskosten und trickste mit der festen Fake-Null.
Das Spielsystem besitzt oben rechts eine Gasse, die die Kugel mit Wucht ins Spiel zurückschießt (Kickback). Unter Flipper-Historikern ist der Aztec dafür bekannt, dass hier ein kleiner Konstruktionsfehler bei der Platzierung der Schlagtürme (Bumpers) unterlief: Schießt die Kugel aus der Kickback-Gasse, knallt sie extrem oft direkt gegen den rechten Schlagturm. Dieser schleudert die Kugel im perfekten Winkel exakt zurück in dieselbe Kickback-Gasse. Es gibt Berichte von Turnieren, bei denen die Kugel vier- bis fünfmal hintereinander in Millisekunden zwischen Kickback und Schlagturm hin- und herjagte, während das mechanische Glockenspiel im Inneren völlig heiß lief und ohrenbetäubenden Lärm erzeugte, ohne dass der Spieler auch nur die Chance hatte, einzugreifen.
Ein bizarres technisches Detail, das bis heute Techniker in den Wahnsinn treibt, ist die Münz-Logik beim Aztec:
Wirft ein Spieler im laufenden Spiel eine weitere Münze (Vierteldollar) ein, um einen Kumpel als „Spieler 2“ anzumelden, klappt das problemlos – allerdings nur, solange die allererste Kugel noch im Spiel ist. Liegt die erste Kugel bereits im Aus und das Gerät kalkuliert den Bonus, sorgt das Einwerfen einer Münze nicht etwa für das Hinzufügen eines Spielers, sondern das Relais-System löst einen sofortigen, kompletten Hard-Reset des gesamten laufenden Spiels aus. Unzählige Kneipenbesucher verloren in den 70ern so versehentlich ihre Highscore-Runden, weil ein ungeduldiger Nachfolger zu früh Geld einwarf.


