Williams · 1978
Disco Fever

Der Flipperautomat Disco Fever wurde im Juni 1978 von Williams Electronics auf den Markt gebracht und ist heute ein absolutes Kultobjekt der Flipper-Geschichte. Er fängt den Zeitgeist der späten 70er-Jahre – angefeuert durch den Mega-Erfolg des Kinofilms Saturday Night Fever – optisch wie thematisch perfekt ein.
Das mit Abstand bekannteste (und damals umstrittenste) Merkmal von Disco Fever sind die sogenannten Banana Flippers. Statt der üblichen geraden Flipperfinger verbaute Williams hier stark gebogene, bananenförmige Schläger. Diese machten das Zielen extrem unberechenbar und anspruchsvoll, da die Kugel je nach Treffpunkt in völlig unvorhersehbaren Winkeln weggeschleudert wurde. Da die Spieler die gebogenen Finger größtenteils ablehnten, blieben Disco Fever und das Nachfolgemodell Time Warp die einzigen beiden Williams-Geräte, die jemals mit diesem Feature ausgestattet wurden.
Die Entstehungsgeschichte und das Thema des Disco Fever:
Ursprünglich entwickelte Williams 1977 einen Prototyp namens Super Jai Alai (basierend auf der gleichnamigen Racketsportart). Da man jedoch entschied, dass dieses Thema auf dem amerikanischen Markt floppen würde, stampfte man das Projekt ein. Weil die speziell geformten gebogenen Flipperfinger dafür jedoch bereits in großer Stückzahl bestellt waren, musste Williams ein neues Thema um das bestehende Layout herum stricken – so entstand Disco Fever.
Obwohl das Backglass (die Kopfscheibe) und das Spielfeld eine unverkennbare Ähnlichkeit mit John Travolta und dem weltberühmten Filmposter zu Saturday Night Fever aufweisen, besitzt das Gerät keine offizielle Lizenz. Williams nutzte den Hype clever aus, ohne Gebühren für die Filmrechte zahlen zu müssen. Der charakteristische Zeichenstil mit den eckigen, geometrischen Figuren stammte vom legendären Flipper-Künstler Christian Marche.
Pionierarbeit beim Sound und historische Bedeutung
Disco Fever markiert den Übergang von der elektromechanischen Ära zu den modernen computergesteuerten Flippern. Es war das vierte Solid-State-Gerät von Williams und das zweite überhaupt, das mit elektronischem Sound statt mechanischen Glocken ausgestattet war. Zudem schaffte das Gerät fast eine Sensation:
Auf der Branchenmesse AMOA 1978 präsentierte Williams einen modifizierten Prototyp von Disco Fever, der als allererster Flipper überhaupt eine Sprachausgabe (Speech) besaß. In Serie ging die Sprachfunktion damals aus Kostengründen noch nicht; sie wurde erst im Folgejahr beim legendären Flipper Gorgar (1979) final für den Massenmarkt eingeführt.
Die Regeln des Flippers sind typisch für die damalige Epoche geradlinig, aber fordernd:
Das “FEVER”-Target: Auf dem Spielfeld gilt es, die Drop-Targets (Fallziele) abzuräumen, um das Wort „FEVER“ zu buchstabieren, was Extrabälle und Specials freischaltet.
Das “DISCO”-Target: Auf der Seite muss das Wort „DISCO“ komplettiert werden, um den wertvollen Bonus-Multiplikator für das Kugelende zu steigern.
Die Hufeisen-Bahn (Horseshow Lane): Eine geschwungene Bahn im oberen Bereich, die bei wiederholten Treffern die Punktzahl rasant in die Höhe treibt.
Heute ist Disco Fever aufgrund der Bananen-Flipperfinger und des charmanten 70er-Jahre-Kitschs ein gesuchtes Sammlerstück in der Flipper-Community.


