Williams · 1978
Phoenix

Der Williams „Phoenix“ ist ein klassischer, elektronischer Flipper (Solid State), der am 25. August 1978 von Williams Electronics veröffentlicht wurde. Er markiert eine spannende Übergangsphase in der Geschichte des Automatendesigns, da Williams zu dieser Zeit eine eigene Designabteilung aufbaute und visuell neue Wege ging.
Der Flipper nutzt ein klassisches Fantasy-Thema rund um den mythologischen Feuervogel Phönix. Das optische Design gilt unter Sammlern als Stilbruch zu früheren, eher eckigen Produktionen von Williams. Besonders das Backglass und die Zeichnungen auf den Slingshots fielen damals auf, da sie – für damalige US-Standards – relativ freizügige, nackte weibliche Motive zeigten.
Der Phoenix läuft auf der Williams System 4 Generation. Er besitzt vier numerische Digitalanzeigen für bis zu 4 Spieler (maximaler Highscore: 999.990 Punkte).
Der Flipper nutzt die erste Stufe rein elektronischer Sounds, die kurz nach den klassischen mechanischen Glockenspielen eingeführt wurden. Der Ton wird oft als primitiv, aber charmant und typisch für die späten 70er beschrieben – es gibt noch keine Hintergrundmusik, sondern nur Soundeffekte bei Treffern.
Das Gerät gehörte zu den ersten digitalen Flippern, die über ein bestimmtes System von DIP-Schaltern auf den Platinen programmiert und konfiguriert werden mussten, um Einstellungen wie Freispiele oder Extrabälle festzulegen.
Das Spiel gilt als sehr schnell, direkt und einfach aufgebaut. Das Layout auf dem Spielfeld ist weitgehend symmetrisch gehalten:
Das primäre Ziel des Spiels ist es, das Wort „P-H-O-E-N-I-X“ komplett zu beleuchten. Dies erreicht man, indem man die oberen Rollover-Gassen mit den Nummern 1 bis 5 abräumt. Jedes Mal, wenn die Zahlenreihe komplett ist, schaltet das Spiel weitere Buchstaben des Namens frei.
Es gibt 2 Flipperfinger, 3 klassische Pop-Bumpers (Schlagtürme), eine rechtsseitige Spinner-Scheibe sowie insgesamt 10 Drop-Targets (Fallziele), aufgeteilt in zwei 4er-Blöcke und zwei einzelne Targets.
Es gibt keine Rampen oder Multiball-Modi. Die seitlichen “Outlanes” (Rücklaufgassen) besitzen keine schützenden Gummis, was das Spiel sehr unbarmherzig macht, wenn die Kugel die Kontrolle verliert.
Der Phoenix war das allererste eigenständige Design von Barry Oursler. Oursler startete als Protegé des legendären Steve Kordek bei Williams. Er entwickelte sich in den Folgejahren zu einem der produktivsten und erfolgreichsten Designer der Flippergeschichte (über 40 Titel, darunter Gorgar – der erste sprechende Flipper –, PinBot* und Junk Yard). Seine Karriere begann genau mit diesem schnellen, symmetrischen Phoenix-Layout im Jahr 1978. Tragischerweise verstarb Oursler Anfang 2022.
Unter Sammlern ist der Phoenix berühmt für seinen radikalen Stilbruch. Bis 1978 waren Williams-Flipper optisch oft sehr eckig, geometrisch und konservativ gezeichnet. Für den Phoenix baute Williams eine völlig neue Designabteilung auf. Die Künstler Constantino und Jeanine Mitchell brachten einen weichen, fließenden Fantasy-Stil ein.
Dabei gingen sie für damalige amerikanische Verhältnisse ein Wagnis ein: Auf dem Backglass und besonders auf den Plastics über den Slingshots wurden leicht bekleidete bis nackte Frauenkörper abgebildet. In den prüden USA der späten 70er Jahre sorgte das in manchen Spielhallen für hochgezogene Augenbrauen, weshalb Williams für spätere Geräte die Freizügigkeit bei US-Modellen wieder etwas zügelte.
Auf dem Spielfeld des Phoenix befindet sich eine technische Eigenheit, die man bei fast keinem anderen Flipper dieser Ära findet:
Normalerweise werden Drop-Targets (Fallziele) am Ende jedes Balls oder bei Spielbeginn automatisch per Spule wieder nach oben zurückgesetzt.
Nicht so die beiden einzelnen Drop-Targets in der Mitte des Phoenix. Diese werden ausschließlich wieder aufgerichtet, wenn die Kugel über die oberen Überrollkontakte (Rollover-Switches) 2 oder 4 rollt. Sie behalten ihren Zustand über das Ball- und sogar das Spielende hinaus bei. Wer ein neues Spiel startet, übernimmt oft das unfertige Center-Target-Layout des vorherigen Spielers.
Der Phoenix wurde im August 1978 mitten in einer globalen Krise der Flipperbranche veröffentlicht. Im selben Jahr erschien Space Invaders von Taito und leitete das goldene Zeitalter der Arcade-Videospiele ein. Flipperautomaten galten plötzlich als „veraltet“.
Williams versuchte mit dem Phoenix und dessen futuristischen, rein elektronischen Klängen gegenzusteuern. Obwohl die Sounds aus heutiger Sicht primitiv wirken, waren sie damals eine Sensation und sollten den sterbenden mechanischen Glockenspielen eine moderne, computerartige Ästhetik entgegensetzen. Das schnelle, fast unbarmherzige Gameplay ohne schützende Gummis an den Seitenbahnen war darauf ausgelegt, die Spiele kurz zu halten, um in den Hallen maximalen Münzdurchsatz gegen die neue Videospiel-Konkurrenz zu generieren.


