Williams · 1971
Winner

Der Williams „Winner“ ist ein außergewöhnlicher, elektromechanischer (EM) Flipperautomat, der von Williams Electronics im Jahr 1971/1972 auf den Markt gebracht wurde. Das Besondere an diesem Flipper ist sein Pferderennen-Thema, das mit einer echten mechanischen Animation unter einer Plexiglasscheibe direkt im Spielfeld umgesetzt wurde.
Entworfen vom legendären Flipper-Designer Steve Kordek (Konzept & Animation); das markante Design (Artwork) stammt von Christian Marche. Beim „Winner“ bewies Kordek im Alter von 60 Jahren noch einmal seine mechanische Genialität. Die komplette Mechanik für die sechs unter Glas laufenden Pferde musste er ohne Elektronik entwerfen. Jedes Vor- und Zurücksetzen der Pferde basiert auf einer komplexen, motorbetriebenen Getriebebox und einer Fülle von Relais-Schaltungen unter dem Spielfeld. Wenn man sich die Jockeys auf der Kopfscheibe oder die Zuschauer auf dem Spielfeld genau ansieht, bemerkt man, dass die Gesichter und Körper extrem eckig, kantig und mit spitzen Nasen und Ellenbogen gezeichnet sind. Dieser fast kubistische Comic-Stil spaltete damals die Gemüter, gilt heute unter Sammlern jedoch als das absolute Markenzeichen dieser Flipper-Ära.
Der Flipper besitzt ein großes Sichtfenster im oberen Bereich des Spielfelds. Darunter befinden sich sechs mechanische Miniatur-Rennpferde, die sich auf Bahnen vorwärts bewegen.
Zu Beginn des Spiels weist der Automat dem Spieler (bzw. beiden Spielern bei zwei Spielern) per Zufall eine Pferdenummer auf der Kopfscheibe (Backglass) zu. Das Ziel des Spiels ist es, das eigene Pferd als Erstes über die Ziellinie zu bringen.
Ungewöhnliche Spielfeld-Features & Regeln
Die rotierende Abschussmechnik (Turret Shooter): Der „Winner“ hat keinen klassischen Kugelabzug an der rechten Seite. Stattdessen sitzt ein motorisierter, sich hin und her drehender Abschuss-Turm zwischen den beiden unteren Flippern. Per Knopfdruck auf der Gehäuse-Vorderseite schießt man die Kugel von dort aus ins Spiel.
Vier Flipperfinger, keine Bumper: Für EM-Flippper untypisch, besitzt der Automat keinerlei Pop-Bumper (Schlagtürme). Die Ballkontrolle erfolgt stattdessen über insgesamt vier Flipperfinger.
Auf dem Spielfeld befinden sich hängende Ziele (Hanging Targets) für die Nummern 1 bis 6. Trifft man die Zahl des eigenen Pferdes, rückt dieses ein Stück vor. Über die speziellen Ziele „A“ und „C“ kann man bestimmte Pferdegruppen beleuchten – trifft man ein beleuchtetes Ziel, rückt das Pferd gleich zwei Schritte vor.
Schafft man es, sein Pferd bereits mit der ersten Kugel ins Ziel zu bringen, gewinnt man fünf Freispiele (Replays). Mit der zweiten Kugel gibt es noch drei, mit der dritten und letzten Kugel ein Freispiel. Man kann das Spiel jedoch auch rein über die Punkte (maximal 199.990 pro Spieler) gewinnen, selbst wenn das eigene Pferd verliert.
Das Spiel belohnt den Spieler massiv mit Freispielen (Replays), wenn das eigene Pferd gewinnt. Je schneller Sie das schaffen, desto höher ist die Belohnung:
Sieg mit Kugel 1: Ihr Pferd gewinnt, während sich noch die erste Kugel im Spiel befindet → 5 Freispiele.
Sieg mit Kugel 2: Ihr Pferd gewinnt bei der zweiten Kugel → 3 Freispiele.
Sieg mit Kugel 3: Ihr Pferd gewinnt bei der dritten (und letzten) Kugel → 1 Freispiel.
Hat ein Pferd (egal ob Ihres oder ein gegnerisches) die Ziellinie überquert, ist das Rennen für dieses Spiel beendet. Sie können danach weiterhin Punkte sammeln, aber keine Freispiele mehr über das Rennen gewinnen. Das maximale Punktekonto liegt bei 199.990 Punkten – das Erreichen bestimmter Highscores gewährt ebenfalls Freispiele.
Die wohl kurioseste technische Anekdote betrifft den rotierenden Abschussturm (Turret) in der Mitte. Williams hatte ein solches System vorher noch nie in einem klassischen Flipper verbaut. Die Idee und die mechanische Umsetzung stammte ursprünglich von einem Konkurrenz-Gerät der Firma Chicago Coin namens Hi-Score Pool (einem Flipper im Billard-Stil von 1971). Williams lieh sich dieses Konzept aus, um das Gefühl eines unvorhersehbaren Rennstarts zu simulieren. Das führt bis heute bei virtuellen Flipper-Nachbauten (wie für Visual Pinball) dazu, dass Programmierer den Programmcode des alten Billard-Spiels kopieren müssen, um den Turm des „Winner“ korrekt zu emulieren.


