Williams · 1972
Travel Time

Urlaub, Sommer, Sonne, Strand… die Zeit vergessen sollte man beim Travel Time aber nicht! Im Travel Time kommt ein komplett anderes Spielsystem zum Zuge welches man nicht oft in Flippern findet, das Spiel auf Zeit. Normalerweise hat ein Spieler 3 oder 5 Kugeln (ohne Extraball), hier ist die Ballzahl unbegranzt! Wenn eine Kugel ins Aus (Outlane oder Drain) geht, wird sofort eine neue Kugel ins Spiel geschossen – solange noch Zeit auf der Uhr ist. Das Spiel endet strikt in der Sekunde, in der die Uhr auf Null fällt. Das bedeutet, ein geschickter Spieler kann theoretisch mit 20 oder mehr Kugeln spielen. Aufsteller konnten die Startzeit (Standard waren meist 45 Sekunden) sowie die Geschwindigkeit, mit der die Uhr abläuft (Easy, Normal, Hard), mechanisch im Gehäuse verändern. Ein Foul (Tilt) bestrafte den Spieler nicht mit dem Verlust der Kugel, sondern mit dem sofortigen Abzug von 15 Sekunden.
Das außergewöhnliche Spielkonzept und das gesamte Game Design stammten von dem berühmten Williams-Designer Norm Clark. Für das auffällige, bunte Grafikdesign (Artwork) war der bekannte Künstler Christian Marche verantwortlich, dessen kantiger “Purismus”-Stil die Flipper-Ära der frühen 70er stark prägte. Entgegen dem Namen “Travel Time” (der eher auf Zeitreisen hindeutet) ist das Gerät als klassischer Urlaubs- und Strandflipper gestaltet. Das Backglass zeigt ein lebendiges Motiv im psychedelischen Peter-Max-Stil mit Surfern, Flugzeugen, Kreuzfahrtschiffen und Urlaubern. Der Flipper erlangte späte Berühmtheit durch die TV-Serie “Die wilden Siebziger” (That ’70s Show). In der Serie kauft der Charakter Michael Kelso (gespielt von Ashton Kutcher) genau diesen Travel Time-Flipper, um damit in der Annas-Groove-Bar Geld zu verdienen. In den Episoden sieht man Kelso verbissen versuchen, den „Highscore“ zu knacken, indem er vorgibt, seine „letzte Kugel“ besonders vorsichtig zu spielen. Der Gag: Da der Travel Time ein reiner Zeitflipper ist, gibt es überhaupt keine Begrenzung der Kugelanzahl. Kelso hätte also so viele Kugeln ins Aus jagen können, wie er wollte – solange die Uhr lief. Ob das von den Drehbuchautoren als subtiler Witz über Kelsos mangelnde Intelligenz gedacht war oder einfach ein Recherchefehler, bleibt bis heute ein Running-Gag in der Flipper-Community.
Sobald die Kugel einen der beiden oberen, äußeren Duchläufe durchläuft startet die Uhr und zählt die Sekunden herunter. Gestoppt wird der Countdown nur durch die beiden Outlanes und das Outhole sowie durch das Kugelfangloch in der Spielfeldmitte.
Die beiden Überrollkontakte neben der Uhr starten die Uhr wieder, ebenso wie auch der untere Zentralkicker.
An mehreren Stellen kann der Spieler aber auch Zeiteinheiten gewinnen:
Der mittlere Kugeldurchlauf oben wird mit 10 Sekunden belohnt.
Die komplette Sequenz “Travel” auf der oberen oder
die komplette Sequenz “Time” auf der unteren Spielfeldhälfte
erleuchten “Travel Special” bzw “Time Special” am unteren Zentralkicker.
Spielt der Spieler nun den Ball in diesen Kicker erhält er 25 Sekunden Spielzeit, wenn beide Specials leuchten sogar 50 Sekunden Spielzeit, danach kann er wieder von neuem den Bonus aufbauen.
Geschickte Spieler können so sehr lange an diesem Flipper spielen. Die Geschwindigkeit mit der die Zeit abgezogen wird, kann in Grenzen eingestellt werden. So konnte der Aufsteller diese Zeit an die Geschicklichkeit der Spieler anpassen. Ebenfalls konnte er das Zeitguthaben beim Spielstart in 15 Sekunden-Schritten zwischen 45 und 150 Sekunden einstellen und entscheiden ob bei erreichen bestimmter Punktezahlen ein Freispiel oder 25 Sekunden Extra-Zeit gegeben wurden.
Von diesen 1 Spieler Gerät wurden 3450 Maschinen gebaut. 2400 davon verblieben in den USA und Canada, die restlichen 1050 Maschinen verteilten sich auf der Welt. In Europa ist/war dieser 1 Spieler relativ selten anzutreffen. Die meissten europäischen Geräte dürften in Großbritanien gewesen sein.
Im Oktober 1972 brachte Williams noch eine spezielle Version des Travel Time auf den Markt, den Summer Time. Das Spiel war identisch zum Travel Time, aber die Spieler konnten zusätzlich noch Zeiteinheiten im Spiel hinzukaufen um Zeit und damit eine höhere Punktzahl zu bekommen. Von dieser Version wurden aber nur 30 Maschinen verkauft.
Die Idee Zeit hinzuzukaufen kommt aber bei späteren DMD-Maschinen wieder auf. Das Buy-In moderner Flipper ist nichts anderes als das Extended Play des Summer Time
Die Idee eines zeitbasierten Spieles wurde später nur noch bei 3 weiteren Flippern benutzt:
Beim Beat the Clock von Bally 1985
beim James Bond von Bally 1980
und beim Orbitor 1 von Stern 1982
Der Bally Beat the Clock von 1963 hat entgegen seines Namens einen normales 3/5 Ball Spiel.
1973 wurden ebenfalls noch einige Travel Time als Lizenzbauten vom Spanischen Hersteller Segasa hergestellt.


