Williams · 1971
Honey

Der Williams „Honey“ ist ein klassischer, elektromechanischer Flipperautomat (EM) für bis zu vier Spieler, der 1971 von Williams Electronics, Inc. veröffentlicht wurde. Das Gerät wurde bis August 1972 produziert und spiegelt das typische Flipper-Design der frühen 1970er-Jahre wider.
Insgesamt 6.301 Exemplare dieses Flippers wurden gebaut. Interessant hierbei ist das Verhältnis: Nur 1.443 Geräte blieben in den USA und Kanada, während die überwiegende Mehrheit von 4.858 Geräten für den Export (unter anderem nach Europa) bestimmt war.
Das optische Thema des Automaten ist „Romantik“ (Frauen/Mädchen). Die Grafik auf dem Backglass und dem Gehäuse zeigt im psychedelischen 70er-Jahre-Stil gehaltene Illustrationen von Frauen und Blumen, passend zum süßen Namen „Honey“. Die Punkteanzeige erfolgt klassisch über mechanische Zählwerke (Reels) bis maximal 99.990 Punkte pro Spieler.
Der Flipper verfügt über eine für seine Zeit beachtliche Fülle an mechanischen Elementen auf dem Spielfeld:
2 Flipperfinger, 5 Pop-Bumper (Schlagturm-Cluster) und 2 Slingshots.
3 Drop-Targets (Fallziele) und 3 Kick-out Holes (Auswurflöcher). Eines dieser Löcher liegt raffiniert versteckt hinter einem der Drop-Targets.
Der Automat besitzt 12 Überrollkontakte (Rollover Buttons), was für damalige Verhältnisse sehr viel war.
Er besitzt einen Center Up-Post (einen kleinen Bolzen, der zwischen den Flipperfingern hochfährt, um das Durchrollen des Balls zu verhindern) sowie ein Rücktor in der rechten Außenbahn (Right Outlane Ball Return Gate).
Ziel des Spiels ist es, den Wert des zentralen Auswurflochs (Saucer) auf das Maximum von 10.000 Punkten zu treiben. Das gelingt, indem man entweder das Loch direkt trifft oder die obere Center-Lane nutzt. Um überhaupt freien Zugang zu diesem zentralen Loch zu bekommen, muss man zuerst das davor liegende Drop-Target versenken.
usätzlich schaltet das erfolgreiche Treffen der A-B-Ziele das untere rechte Rettungstor frei. Wer es schafft, die Rollover-Tore 1 bis 5 dreimal komplett zu durchrollen, wird mit Extra-Bällen belohnt. Akustisch wird das Spielgeschehen nostalgisch von zwei eingebauten echten Glocken untermalt (eine für 10 Punkte, eine für 100/1000 Punkte).
Eine der erstaunlichsten Geschichten rund um den Honey ist seine Produktionsstatistik. In den frühen 1970er-Jahren boomte die Flipper-Kultur in Europa (insbesondere in Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien). Weil der US-Markt zeitweise gesättigt war, wurde der Honey zu einem echten Export-Schlager.
Von den 6.301 gebauten Geräten wurden fast 80 % (4.858 Einheiten) direkt nach Übersee verschifft. Das führt zu der kuriosen Situation, dass Flipper-Jäger in den USA heute oft massive Probleme haben, einen Honey zu finden, während er in europäischen Kellern und Lagern deutlich häufiger auftaucht.
Aus wirtschaftshistorischer Sicht ist der Honey ein Paradebeispiel für die hochprofitable Flipper-Industrie der 70er. Die dokumentierten Werksdaten zeigen, dass die reinen Materialkosten (Bill of Materials / BOM) für Williams bei exakt 270,24 $ lagen. Verkauft wurde das Gerät an die Distributoren für 645,00 $ – eine Gewinnspanne, von der heutige Flipper-Hersteller angesichts hochkomplexer Computertechnik und LCD-Bildschirme nur noch träumen können.


