Gottlieb · 1980
Panthera

Der Gottlieb Panthera ist ein klassischer, elektronischer Flipperautomat (Solid State), der im Juni 1980 von der Firma D. Gottlieb & Co. in den USA auf den Markt gebracht wurde.
Panthera ist ein sogenannter Widebody-Flipper. Das Spielfeld ist spürbar breiter als bei Standardmodellen der damaligen Zeit, was Platz für ein offenes Design und viele Ziele bietet. Das Gerät war eines der ersten Modelle der Gottlieb System 80-Serie. Diese Generation brachte komplexere Sound- und Lichtsteuerungen mit sich, gilt unter heutigen Technikern und Sammlern jedoch wegen anfälliger Masseverbindungen und Platinen-Korrosionen als wartungsintensiv. Die markante, farbenfrohe optische Gestaltung im Fantasy- und Dschungel-Stil wurde vom bekannten Pinball-Künstler Doug (Duck) Watson entworfen.
Das Spielprinzip des Panthera setzt auf Präzision und das gezielte Treffen von Farbkombinationen. Typisch für das Baujahr besitzt der Panthera weder Rampen noch einen Multiball-Modus. Das Spiel findet rein zweidimensional auf der Fläche statt. Das Spielfeld verfügt über drei Bänke mit jeweils vier sogenannten Drop Targets (Fallzielen).
Am oberen Spielfeldrand befinden sich vier farbige Bahnen (Gelb, Blau, Weiß, Grün). Durch das Überrollen dieser Bahnen werden die korrespondierenden Drop-Target-Bänke beleuchtet. Trifft man die beleuchteten Ziele, sammelt man Bonus-Multiplikatoren, die über das gesamte Spiel hinweg erhalten bleiben. Schafft man es, alle Farbziele komplett abzuräumen, wird das „Special“ im linken Loch (Saucer) aktiviert, was 50.000 Punkte bringt. Das Treffen der Nummern-Bahnen 1, 2 und 3 schaltet wiederum die Chance auf einen Extra Ball frei.
Auf den originalen Verkaufsflyern von Gottlieb wurde dem Flipper eine überraschend epische Hintergrundgeschichte verpasst: Der offizielle (aber selten genutzte) Name des Geräts lautet laut Broschüre „Panthera, The Legend Of“. Die Story besagt, dass Panthera eine entführte Göttinnen-Prinzessin war, die von Dschungelbewohnern aufgezogen wurde. Erst nach vielen Jahren und Abenteuern kehrte sie auf ihren rechtmäßigen Königsthron zurück. Dieses „Lore“ erklärt auch das wilde Fantasy-Artwork auf dem Gehäuse.
Der Panthera gehört zu den allerersten Geräten der sogenannten „Star Series“ von Gottlieb. Zu dieser Zeit experimentierten die Hersteller stark mit dem Sound. Das Besondere an der Panthera-Kopfscheibe (Backbox) ist, dass oben ein Lautsprecher-Grill im Gehäuse integriert wurde. Das Ziel war es, den damals revolutionären elektronischen Sound ungehindert direkt in Richtung des Spielers schallen zu lassen – in verrauchten Arcade-Hallen der 80er-Jahre ein wichtiges Kriterium, um Aufmerksamkeit zu erregen.
Hinter den Kulissen der Entwicklung gab es echtes Drama für die Ingenieure. Die Programmierer Allen und John Buras berichteten später in Foren, dass der Prototyp des Panthera von einem „nasty bug“ (einem extrem hartnäckigen Fehler) geplagt war. Das Problem lag tief in den Hardware-Timer-Chips eingebettet, die von der Firma Rockwell geliefert wurden. Es dauerte Wochen intensiver Fehlersuche, bis die Entwickler das System stabil bekamen, weshalb die Veröffentlichung des ersten System-80-Flippers unter großem Zeitdruck stand.
Obwohl Flipper oft mit amerikanischen Diners assoziiert werden, war der Panthera ein echter Weltenbummler: In den USA stand er extrem häufig als glänzendes, brandneues Highlight in aufkommenden Fast-Food-Restaurants, um Familien anzulocken. Viele US-Sammler berichten, dass sie auf genau diesem Gerät in Pommes-Buden das Flippern gelernt haben. Gleichzeitig war das Gerät ein Exportschlager. In Internetforen teilen Spieler Anekdoten darüber, wie der Panthera in den frühen 1980er-Jahren das Zentrum marokkanischer Straßen-Cafés bildete. Jugendliche versammelten sich dort in Scharen, warfen ihre Dirham-Münzen ein und feierten jeden mühsam erarbeiteten Freiball (Extra Ball) wie eine Meisterschaft.
Das akustische Belohnungssystem: Fünf KnockerFür Flipper-Enthusiasten gibt es kein schöneres Geräusch als den „Knocker“ – das laute, mechanische Klacken im Gehäuse, das ein Freispiel oder eine Höchstleistung signalisiert. Der Panthera treibt das auf die Spitze: Schafft man es, alle vier Farbbahnen zu beleuchten und den Ball präzise im linken Loch zu versenken, belohnt das Gerät den Spieler nicht nur mit 50.000 Punkten, sondern feuert fünf Knocker-Schläge hintereinander ab. In einer vollen Spielhalle drehten sich bei diesem ohrenbetäubenden Sound augenblicklich alle Köpfe zum Spieler um.


