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Williams · 1969

Smart Set

Smart Set, Backglas

Der Williams Smart Set ist ein echter Klassiker der Flipper-Geschichte, der am 12. Juni 1969 von Williams Electronics auf den Markt gebracht wurde. Er gehört zu den sogenannten elektromechanischen Flippern (EM), die komplett ohne Mikroprozessoren und stattdessen mit Relais, mechanischen Zählwerken und Schrittschaltwerken betrieben werden.

Der Smart Set nimmt in der Flipper-Historie eine besondere Stellung ein: Er war das erste 4-Spieler-Modell von Williams, das die neuen 3 Zoll großen „King-Size-Flippern“ (die heutigen Standard-Flipperfinger) nutzte. Zuvor waren deutlich kleinere Flipperfinger üblich. Diese Neuerung machte das Spiel deutlich dynamischer und verhalf dem Automaten zu einem großen kommerziellen Erfolg, insbesondere auch auf dem europäischen Markt.

Das optische Thema des Automaten dreht sich um Wohlstand, Freizeit und Bootssport (Recreation & Affluence). Das auffällige, typisch späte 60er-Jahre-Artwork stammt von dem bekannten Künstler Christian Marche, dessen spitzer, fast schon kubistischer Zeichenstil prägend für diese Ära der Flipper-Automaten war.
Interessantes Sammler-Detail: Bei den ersten Testgeräten (Engineering Samples) war das Spielfeld mit pinken Akzenten versehen und das Steuerrad-Motiv besaß eine Holzoptik. Für die Massenproduktion wurde dies in ein kräftiges Rot und sattes Schwarz geändert. Auch die Farbreihenfolge der Wellen auf dem Gehäuse wurde im Vergleich zu den frühen Werbeflyern umgekehrt.

Das Spielfeld besitzt ein klassisches, weitgehend symmetrisches Layout, das für einen EM-Flipper einen sehr schnellen Balllauf bietet. Zu den wichtigsten Features gehören:

Das „Steuerrad“ (Helm Wheel): Das zentrale Element im Kopf- bzw. Spielfeldbereich ist ein rotierendes Lichtrad, das über eine mechanische Steuereinheit (Stepper Unit) unter dem Spielfeld angetrieben wird. Stoppt das Licht auf der passenden Farbe, multiplizieren sich die Punktewerte von 10er-Schritten auf 100er-Schritte. Ein lautes Läuten einer mechanischen Glocke signalisiert diesen Zustand. Ein Treffer auf die exakte „20“ belohnt den Spieler mit einem Extra Ball.

Up-Post System: Über das Treffen bestimmter gelber Standziele (Standup Targets) lässt sich ein kleiner Stift (Post) im Bereich zwischen den beiden Flipperfingern hochfahren. Dieser verhindert für eine Weile, dass die Kugel mittig ins Aus rollt.

A-B-Ziele: Das Beleuchten der Buchstaben A und B öffnet ein Rücklauf-Tor (Gate) in der rechten Auslaufspur (Outlane) und erhöht den Punktewert der Pop-Bumper (Jet Bumper).

Der Williams Smart Set (1969) ist nicht nur ein meisterhaftes Stück elektromechanischer Ingenieurskunst, sondern auch eng mit den damaligen Umbrüchen auf dem Flipper-Markt und kuriosen Details aus der Produktion verknüpft. Hinter den Kulissen des Automaten verbergen sich spannende Anekdoten, Design-Geheimnisse und historische Besonderheiten.

Aus heutiger Sicht wirken die 3-Zoll-Flipperfinger (ca. 7,6 cm) wie eine absolute Selbstverständlichkeit. Bis 1968 waren Flipperfinger jedoch winzig (nur 2 Zoll bzw. ca. 5 cm lang). Williams begann kurz vor dem Smart Set, die längeren Finger zu verbauen. In den USA stieß das anfangs auf gemischte Gefühle, da Puristen das traditionelle Spiel vermissten. Williams erkannte jedoch schnell, dass auf dem europäischen Markt (insbesondere in Deutschland und Frankreich) eine gigantische Nachfrage nach 4-Spieler-Geräten bestand, die dieses neue, dynamischere und kontrollierbarere Spielgefühl boten. Der Smart Set wurde gezielt als europäischer Exportschlager konzipiert. Er bewies den Skeptikern, dass das längere Layout ein massiver kommerzieller Erfolg werden kann.

Der Name des Automaten sorgt im deutschsprachigen Raum manchmal für Rätselraten. In den späten 1960er-Jahren war der Begriff Smart Set im englischsprachigen Raum ein geläufiges Synonym für die High Society oder den „Jet Set“. Das erklärt auch das luxuriöse Artwork von Christian Marche: Es zeigt wohlhabende Menschen der Oberschicht beim exklusiven Bootssport, beim Segeln und beim Entspannen am Wasser. Der Name sollte den Spielern in den verrauchten Kneipen das Gefühl von modernem Luxus, Jet-Set-Lifestyle und Exklusivität vermitteln.

Das Artwork des Smart Set polarisiert bis heute stark. Der französische Künstler Christian Marche prägte die Williams-Flipper dieser Ära mit seinem unverkennbaren, stark eckigen und kubistischen Zeichenstil (spitz zulaufende Gesichter, geometrische Formen). Während diese Grafiken heute als Paradebeispiel für das Pop-Art-Design der späten 60er gefeiert werden, erntete das Aussehen des Smart Set in späteren Fan-Foren oft heftige Kritik als „uninspiriert und hässlich“.

Dennoch: Genau dieses gewagte Design war damals der absolute Blickfang in den Spielhallen und trug dazu bei, dass sich die Kisten optisch meilenweit von den braven Designs der 1950er-Jahre abhoben.

Smart Set, Backglas
Backglas · Zoom
Smart Set, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Smart Set, Maschine
Maschine · Zoom