Flipper → Gottlieb

Gottlieb · 1964

Happy Clown

Happy Clown, Backglas

Der Happy Clown ist ein klassischer, elektromechanischer Flipperautomat (EM), der im November 1964 von der Firma D. Gottlieb & Co. in den USA veröffentlicht wurde. Er zeichnet sich durch ein farbenfrohes Zirkus-Thema sowie eine besondere mechanische Animation aus.

Der Happy Clown war der allererste 4-Spieler-Flipper von Gottlieb, der mit dem neuen Standard-Cabinet ausgeliefert wurde. Dieses Gehäusedesign blieb ein prägendes Merkmal und wurde von Gottlieb bis ins Jahr 1975 genutzt. Für dieses Gehäuse werden charakteristische 79-cm-Beine für vorne und hinten benötigt. Das optische Highlight des Flippers ist der mechanisch animierte Clownskopf hinter der Glasscheibe. Sobald ein Spieler einen 1-Punkt-Schalter auf dem Spielfeld trifft, bewegt sich der Kopf des Clowns über eine Spulen- und Seilzugmechanik auf und ab (er „hüpft“ oder wackelt). Aufgrund der hohen Nachfrage in den Spielhallen wich Gottlieb von seiner üblichen Praxis ab und produzierte das Modell in zwei Schüben: 2.825 Geräte im November 1964 und weitere 410 Geräte im Februar 1965. Die spätere Serie erhielt bereits einen robusteren Kugelheber (Heavy-Duty Ball-Lift) und eine kürzere Abschußeinheit (Plunger).

Das primäre Ziel auf dem Spielfeld ist es, das Wort C-L-O-W-N im Zentrum komplett zu beleuchten. Wenn die Buchstaben das erste Mal komplett getroffen werden, vervielfachen sich die Werte der Zielscheiben (Targets) mit 10x. Schafft man es ein zweites Mal, steigt der Wert auf 100x (dieser Extremwert gilt jedoch nur für den jeweils nächsten erfolgreichen Schuss). Ein rotierender Schrittschalter (Rotor) verändert im Spielverlauf kontinuierlich die Werte der Punktebahnen und Auswurflöcher (Saucers). Auch die Schlagtürme (Bumpers) wechseln passend dazu zwischen gelb und rot. Das Spiel verfügt über eine “Shoot Again”-Funktion. Es ist vergleichsweise einfach, sich über die Rollover-Bahnen zusätzliche Bälle zu erspielen. Das Gerät wird standardmäßig mit 5 Kugeln bespielt.

Der integrierte „Projektor“ im Happy Clown bezieht sich auf eine faszinierende, seltene Technik aus der elektromechanischen Ära: die sogenannte Projection Roto Unit. Anstatt die veränderlichen Punktewerte der Ziele über normale Glühbirnen im Gehäuse zu beleuchten, sitzt bei diesem Modell ein mechanischer Miniatur-Projektor direkt unter dem Spielfeld. Die Funktionsweise der Projection Roto Unit: Unter dem Spielfeld befindet sich eine rotierende Scheibe (ein Schrittschaltwerk), die mit lichtdurchlässigen Zahlen bedruckt ist. Sobald die Kugel im Spiel bestimmte Kontakte auslöst (z. B. die oberen 50-Punkte-Bahnen oder die Auswurflöcher), dreht sich dieses Rad weiter. Spezielle Projektionslampen (Projection Bulbs) durchleuchten die Zahlen auf dem Rad. Über kleine Linsen wird der aktuelle Wert (die Zahl) von unten direkt auf ein kleines, halbtransparentes Sichtfenster im Spielfeld projiziert. Die Spieler sehen dadurch live, wie sich der Punktewert des Hauptziels dynamisch verändert (z. B. von 10 auf 50 oder 100 Punkte).

Warum wurde das so gebaut? In den 1960er Jahren gab es noch keine digitalen Displays oder LED-Anzeigen. Um dem Spieler dynamische, wechselnde Werte auf dem Spielfeld anzuzeigen, gab es zwei Möglichkeiten: Entweder man verbaute extrem viele Glühbirnen für jede einzelne Zahl, oder man nutzte diese clevere optische Projektion, die mit nur einer zentralen Lichtquelle und einer rotierenden Scheibe auskam. Gottlieb nutzte dieses mechanische Highlight in einigen ausgewählten Geräten dieser Ära, um den “Wow-Effekt” in den Spielhallen zu erhöhen.

Die alten Projektionsbirnen wurden im Dauerbetrieb sehr heiß. Da die Gehäuse der Flipper oft jahrzehntelang eingeschaltet blieben, sind die Zahlen auf den rotierenden Plastikscheiben durch die Hitze heute häufig unleserlich verbrannt oder geschmolzen. Da das Bild von unten exakt in das kleine Spielfeld-Fenster projiziert werden muss, reagiert das System empfindlich auf Erschütterungen. Schon eine minimale Verschiebung der Unit führt dazu, dass die Zahlen verschwommen oder versetzt angezeigt werden.

Unter Sammlern gilt der Happy Clown als sogenanntes Übergangsmodell (transitional game). Gottlieb stellte mitten in der laufenden Produktion das Design der Kugel-Abschuss-Vorrichtung (Plunger) um. Die erste Serie besaß die berühmte, heute extrem seltene „Beehive“-Rosette (eine opulente Plastikabdeckung am Abschuss, die wie ein Bienenkorb geformt war). Spätere Modelle bekamen ein flaches, pragmatisches Metallgehäuse. Da der Happy Clown das historisch letzte Gottlieb-Modell mit dieser ikonischen Bienenkorb-Optik war, jagen Sammler heute bevorzugt die Geräte aus dem ersten Produktionslauf im November 1964.

Aus Angst vor Glasbruch auf dem langen Seeweg stattete Gottlieb viele Export-Geräte nicht mit echtem Backglass aus, sondern spritzte das Motiv auf elastisches Plexiglas (Perspex). Clevere Jugendliche in den Spielhallen merkten das schnell: Sie bohrten mit brennenden Zigaretten kleine Löcher in das Plastik der Scheibe, um mit Drähten die mechanischen Kontakte dahinter zu manipulieren und sich Gratisspiele zu ergaunern. Aufsteller mussten daraufhin eilig echte Glasscheiben vor das Plexiglas montieren, um ihre Einnahmen zu schützen.

Happy Clown, Backglas
Backglas · Zoom
Happy Clown, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Happy Clown, Maschine
Maschine · Zoom