Gottlieb · 1978
Close Encounters of the third kind

Der 1977 erschienene “Close Encounters of the third kind” (auf Deutsch bekannt als „Unheimliche Begegnung der dritten Art“) ist ein typischer Flipper aus der Gottlieb Übergangszeit ins elektronische Zeitalter. Zum einen war der Close Encounters der erste elektronische Gottlieb Flipper mit Soundboard (die ersten Modelle hatten noch ein Glockenspiel) zum anderen wurde der Close Encounters auch noch mechanisch gebaut. Allerdings gab das Verhältnis von 470 mechanischen Maschinen zu 9950 elektronischen Maschinen einen deutlichen Hinweis wie es weiter gehen sollte. Auch der Close Encounters wurde von Ed Krynski und Gordon Morrison kreiert und ist daher vom Layout eher ein mechanischer Flipper mit elektronischem Innenleben.

Thematisch basiert der Flipper auf Steven Spielbergs Blockbuster “Close Encounters of the third kind” oder auf deutsch “Unheimliche Begegnung der dritten Art”. Der Erfolg des Filmes trieb schon damals die Verkaufszahlen des Flippers nach oben, obwohl er eigentlich “typisch Gottlieb” daher kam. Das Soundboard war eigentlich auch nur eine Art elektronisches Glockenspiel. Ganze 4 Töne konnte es produzieren. Laut Werbung sollten es die Töne des Raumschiffes sein. Komisch nur das auch alle weiteren mit diesem Soundboard ausgestatteten Flipper diesen Raumschiffsound hatten
Gordon Morison gestaltete das markante Backglass und das Gehäuse. Das Artwork fängt die mystische Stimmung des Films ein und zeigt das ikonische, leuchtende Raumschiff, das über einer Menschengruppe schwebt. Während die Glasscheibe vom Raumschiff dominiert wird ist es auf dem Spielfeld ein Alien neben der Bonusleiter. Das Spielfeld ist mit drei Top-Lanes, zwei Bumpern, einem Spinner, einem Roto-Target und einer 5er Target Bank nur eine weitere Variation des Gottlieb Standart Layouts. Das absolute Herzstück des oberen Spielfelds ist die für Gottlieb typische, rotierende Zielscheibe (Roto-Target), die im Spiel das „fliegende Mutterschiff“ (die Alien-City) symbolisiert. Das Treffen des darauf abgebildeten Sterns vervielfacht den Bonus auf das bis zu FünffacheDennoch war der Close Encounter einer der letzten gut verkauften Gottlieb Flipper.
Weiter mechanische Modelle wie Dragon, Gemini, Giridion, TKO, Space Walk usw. trieb Gottliebs Herstellungskosten in die Höhe. Diese konnten dann auch von relativ gut verkauften Modellen wie Charlies Angel, Count Down (elektronische EM-Nachbauten!) sowie Hulk; Totem und Genie nicht mehr aufgefangen werden. Viel zu lange hatte Gottlieb auf mechanische Technik und altes Design gesetzt. Am Ende des 70er Jahre wurde Gottlieb dann von Columbia Pictures aufgekauft.
Hinter den Kulissen der Flipper-Hersteller herrschte 1977/78 ein erbitterter Krieg um die besten Film-Lizenzen. Gottlieb ergatterte Close Encounters, doch der schärfste Konkurrent Bally schlug zeitgleich mit dem offiziellen Flipper zu Star Wars zurück. Unter Spielern entwickelte sich das zu einer regelrechten Glaubensfrage. Während der Bally-Flipper sehr geradlinig und poppig war, galt der Gottlieb-Automat aufgrund seines asymmetrischen Feldes und des tückischen Roto-Targets als das spielerisch deutlich anspruchsvollere Gerät. Aufsteller berichteten damals, dass Spieler, die am Gottlieb-Flipper frustriert ihre Münzen verloren (wegen der brutalen Kugelverluste über die Außenbahnen), wütend zu den Star Wars-Automaten wechselten.
Da der Flipper über die Außenbahnen (Outlanes) die Kugel extrem schnell verschluckte, verbauten die Entwickler einen Trostpreis. Wenn die Kugel ins Aus rollte, zählte das Gerät automatisch den aktuellen Wert des Roto-Targets zum Score hinzu. Hatte man vorher zufällig die A-B-C-Lanes beleuchtet, war die Chance auf den Special-Bonus aktiv. Es passierte immer wieder, dass absolute Anfänger die Kugel abschossen, sie ohne eine einzige Berührung der Flipperfinger direkt ins Aus flitzte – und der Automat plötzlich unter lautem Klingeln ein Freispiel ausspuckte, weil das Roto-Target zufällig perfekt stand.
Der Flipper besitzt einen markanten Sound, der versucht, die unheimliche Atmosphäre des Films einzufangen. Die Filmmusik von John Williams ist legendär für ihre fünf markanten Töne, mit denen die Menschen und die Aliens kommunizieren.Beim Film lief das damals so ab: Spielberg ließ Williams die Musik komponieren, bevor der Film überhaupt geschnitten war, und passte die Filmszenen dem Rhythmus der Musik an. Gottlieb versuchte, diese musikalische Magie elektronisch im Flipper zu imitieren – allerdings steckte die Soundelektronik 1978 noch so sehr in den Kinderschuhen, dass das Ergebnis eher wie ein charmantes, wildes Piepsen und Summen klang, was der Faszination in den dunklen Spielhallen aber keinen Abbruch tat.


