Flipper → Gottlieb

Gottlieb · 1978

Charlie´s Angels

Charlie´s Angels, Backglas

Der Flipperautomat Charlie’s Angels wurde von der Firma D. Gottlieb & Co. im November 1978 veröffentlicht. Er basiert auf der extrem erfolgreichen US-amerikanischen Fernsehserie Drei Engel für Charlie (Original: Charlie’s Angels).

Im Jahr 1976 wurde das traditionsreiche Familienunternehmen Gottlieb vom Medienkonzern Columbia Pictures aufgekauft. Da Columbia auch die Rechte an der TV-Serie hielt, bot sich die Umsetzung als Flipperautomat perfekt an, um Synergien im Unterhaltungssektor zu nutzen. Das optische Design wurde vom legendären Gottlieb-Künstler Gordon Morison entworfen. Auf dem Backglass (der Kopfscheibe) und dem Spielfeld sind die Konterfeis der Hauptdarstellerinnen der damaligen Besetzung von 1977 abgebildet: Kate Jackson (Sabrina), Jaclyn Smith (Kelly) und Cheryl Ladd (Kris, welche die zuvor ausgestiegene Farrah Fawcett ersetzte). Die ikonische Silhouette des Serienlogos zieht sich durch das gesamte Design des Gehäuses.

Der Flipper wurde in einer für die damalige Epoche typischen Übergangsphase produziert, weshalb es zwei grundlegend verschiedene Varianten gibt:

Die Solid State Version (SS / Elektronisch): Erschienen ab November 1978. Dies war die Hauptversion mit digitalen Displays (Alphanumerisch) und wurde auf Basis der Gottlieb System 1-Architektur gebaut. Von dieser modernen Variante wurden rund 7.600 Einheiten produziert.

Die elektromechanische Version (EM): Erschienen Anfang 1979. Da manche Aufsteller und Märkte (insbesondere in Europa) der neuen Computer-Technik noch skeptisch gegenüberstanden, brachte Gottlieb eine klassische, mechanische Version mit rollenden Zahlenwalzen heraus. Es wurden lediglich 350 Einheiten der EM-Version gebaut, was sie heute zu einem extrem seltenen Sammlerstück macht. er Charlie´s Angels der letzte elektromechanische 4-Spieler-Flipper, den Gottlieb jemals herstellte.

Das Spieldesign stammt aus der Feder von Allen Edwall. Es wird vermutet, dass das Layout ursprünglich als reines Testfeld diente, um die Grenzen der neuen Gottlieb-Platine auszuloten, bevor das Serien-Thema darauf platziert wurde.
Das Gerät verfügt über zwei klassische 3-Zoll-Flipperfinger, zwei Pop-Bumpers (Schlagtürme) und zwei Slingshots.Drop Targets.
Das primäre Ziel des Spiels ist das Abräumen von zwei markanten Target-Bänken – einer 5er-Bank und einer 3er-Bank aus roten Klappzielen.Bonus-System: Durch das Abräumen der Ziele und das Treffen der oberen „CHIC“-Bahnen lässt sich der Bonus-Multiplikator auf bis zu 5x hochjagen. Ein besonderer Kniff der damaligen Ära: Der Fortschritt wird am Ende jeder Kugel zurückgesetzt, sodass jede Kugel einen kompletten Neustart darstellt.

Der Wechsel von elektromechanischen Walzen zu digitalen Hauptplatinen (Solid State) war für Gottlieb damals Neuland. Sie beauftragten den US-Tech-Riesen Rockwell, die Elektronik für das sogenannte „System 1“ zu entwickeln. Die Schwachstelle: Rockwell designte extrem unzuverlässige, proprietäre Chips – in der Flipper-Szene berüchtigt als „Spider Chips“ (Spinnen-Chips).

Die Übernahme von Gottlieb durch Columbia Pictures im Jahr 1976 sollte eigentlich eine Traumhochzeit sein. In der Realität prallten Welten aufeinander. Die Enttäuschung der Designer: Gottlieb hatte bis dato die besten Designer der Welt, die ihrer Kreativität freien Lauf lassen durften. Unter Columbia hieß es plötzlich: „Wir besitzen die Rechte an Charlie’s Angels, baut gefälligst ein Spielfeld dazu“.

Wenn die Menschen an die Original-Serie von 1976 denken, haben fast alle das weltberühmte rote Badeanzug-Poster von Farrah Fawcett im Kopf. Sie war der unumstrittene Megastar der ersten Staffel. Das Problem: Farrah Fawcett stieg nach nur einer Staffel im Streit aus der Serie aus. Als Gottlieb 1978 den Flipper designte, war sie längst weg und durch Cheryl Ladd ersetzt worden. Da Cheryl Ladd, Jaclyn Smith und Kate Jackson auf dem Flipper prangten, beschwerten sich damals viele Aufsteller und Spieler: „Wo ist Farrah?“ Heute sorgt genau dieses Detail für Nostalgie, da der Flipper perfekt die exakte Ära der Jahre 1977/1978 konserviert.

Während Konkurrenten wie Bally oder Williams 1978 bereits erste echte elektronische Soundeffekte oder sogar Sprachausgabe in ihre Flipper integrierten, war Gottlieb in der Tontechnik extrem konservativ geblieben. Obwohl der Charlie’s Angels ein moderner Digital-Flipper war, verbauten die Ingenieure im Gehäuse immer noch ein mechanisches 3-Klang-Glockenspiel (Chimes) für die Punkte-Töne. Spieler in den Kneipen erlebten ein bizarres akustisches Crossover: Auf der einen Seite leuchteten futuristische, digitale Displays, auf der anderen Seite klang der Flipper beim Treffen der Ziele wie ein mechanisches Spielzeug aus den 1960er-Jahren.

In der offiziellen Flipper-Geschichtsschreibung gilt der Charlie’s Angels als kommerzieller Erfolg, da über 7.900 Stück produziert wurden. Fragt man jedoch alte Aufsteller aus den späten 70ern und frühen 80ern, erzählen diese eine andere Geschichte: Der Flipper war bei den Spielern in den Spielhallen oft eine „Gurke“. Aufgrund der unzuverlässigen Elektronik und des im Vergleich zu Williams-Geräten (wie Flash) etwas trockenen Gameplays warfen die Spieler oft weniger Münzen ein. Viele Geräte wurden von den Aufstellern extrem schnell wieder ausgemustert.

Charlie´s Angels, Backglas
Backglas · Zoom
Charlie´s Angels, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Charlie´s Angels, Maschine
Maschine · Zoom