Gottlieb · 1977
Jet Spin

1977 brachte Gottlieb den 4-Player Jet Spin und den 2-Player Super Spin heraus. Beide sind bis auf die Spielerzahl völlig identisch und wurden 4761 mal (Jet Spin) bzw 1352 mal (Super Spin) gebaut was eine Gesamtauflage von 6113 Maschinen ergibt. Entworfen wurde der Flipper von Gottliebs Erfolgsduo Ed Krynski (Design) und Gordon Morison (Artwork).
Das Spielfeld ist für Gottlieb Flipper ungewohnt offen. Alle Features sind am Rand verbaut, was lange und gezielte Schüsse erlaubt und das Spiel relativ schnell macht. An der oberen linken Spielfeldseite hat Gottlieb ein “Roto-Target” verbaut und an der rechten Spielfeldseite ein Vari-Target. Beides Gottlieb Erfindungen die ausschließlich in Gottlieb Flippern verbaut wurden. Während das Roto-Target ein sich drehender Kranz von Zielscheiben mit verschiedener Wertung ist, von denen immer drei als Ziele für den Spieler sichtbar sind ist das Vari-Target ein Ziel welches in Abhängigkeit von der Schussstärke verschiedene Wertungen erlaubt. Beide Features waren damals sehr populär und waren gleichzeitig sind nur in diesem Modell zu finden. Die sonst bei Gottlieb in Massen verbauten Drop Targets fehlen diesem Flipper völlig. Um zu Punkten muss der Spieler deshalb sehr genau zielen.
Der Jet Spin war eines der letzten rein elektromechanischen Modelle von Gottlieb. Nur rund einen Monat später veröffentlichte die Firma mit Cleopatra ihren ersten Flipper mit digitaler Elektronik. Gottlieb brachte das identische Spieldesign in zwei Varianten heraus. Während der Jet Spin für bis zu 4 Spieler ausgelegt war, gab es mit dem Super Spin eine günstigere 2-Spieler-Version, die speziell für Aufsteller mit kleinerem Budget gedacht war.
Optisch ist das Gerät stark vom Zeitgeist des Jahres 1977 geprägt. Das Artwork zeigt ein futuristisches Science-Fiction- und Superhelden-Thema, bei dem Charaktere auf einer Art Surfbrett durch den Weltraum fliegen. Auf der markanten Kopfscheibe (Backglass) ist ein auffälliger Weltraum-Wirbel (Vortex) zu sehen.
Das legendäre Künstler-Duo Ed Krynski (Spieldesign) und Gordon Morison (Grafik) prägte den Gottlieb-Look der 70er Jahre. Beim Jet Spin lieferte Morison ein Kunstwerk ab, das Fans bis heute Rätsel aufgibt.A uf dem Backglass und dem Spielfeld sieht man futuristische Comic-Figuren, die auf düsengetriebenen Surfbrettern (in Fankreisen damals „Cool Boards“ genannt) um einen psychedelischen Weltraum-Wirbel herumfliegen. Das Kuriose: Es gab nie einen Film, ein Comic oder eine Serie dazu. Morison hat sich diese Welt komplett selbst ausgedacht. Da das Thema extrem an moderne Science-Fiction-Klassiker oder Superhelden erinnert, schworen Jugendliche in den 70er Jahren Stein und Bein, dass es sich um eine geheime Adaption eines unveröffentlichten Marvel-Comics handeln müsse.
Der Jet Spin war einer der letzten großen Erfolge der Firma Gottlieb. Nachdem man nach der Erfindung der Flipperfinger und des Erscheinens der “Humpty Dumpty” 1947 den Markt dominierte ging es seit den 70er Jahren immer mehr bergab. Zum einen bekam man durch die Firma Bally die Flipper wie “Wizard” und “Captain Fantastic” herausbrachte starke Konkurrenz. Zum anderen begann bei allen anderen Herstellern 1977 die Digitalisierung, eine Neuerung der sich Gottlieb zunächst verschloss und die dann viel zu spät eingeführt wurde.


