Gottlieb · 1979
Solar Ride

Auch der 1979 erschienen Solar Ride ist ein für Gottlieb typischer Massenflipper. Auch er wurde sowohl mechanisch (365 Maschinen) als auch elektronisch (8800 Maschinen) gebaut. Die EM-Version von Solar Ride gilt historisch als der letzte in Serie produzierte 4-Spieler-EM-Flipper überhaupt, da die Industrie danach endgültig auf rein digitale Platinen umstellte.
Wie bei fast allen (mechanischen) Flippern war auch hier das Duo Ed Krynski und Gordon Morrison für die Entwicklung verantwortlich. Das Spieldesign stammt von Ed Krynski, während die auffälligen, farbenfrohen Grafiken auf dem Gehäuse und der Kopfblende (Backglass) von Gordon Morison gezeichnet wurden. Optisches Highlight: Das Backglass zeigt im typischen 70er-Jahre-Stil eine rothaarige Frau, die auf einem futuristischen, elektronischen Pferd durch das Weltall reitet.
Die vier Top-Rollover Lanes erhöhen den Bonusmultipler und sind mit den Flipperfingern nur schwer zu treffen. Ein gefühlvoller Ballabschuss ist deshalb sehr wichtig, zumal eine Erhöhung nur erfolgt wenn die Lanes in der richtigen Reihenfolge getroffen werden. Damit es nicht zu schwer wird hat Gottlieb an der rechten Spielfeldseite ein Kugeltor eingebaut, über das die Kugel wieder zu Abschuss kommt.
An der linken Seite ist eine 5er Targetbank verbaut. Diese besteht aus 4 weißen und einem roten (Mittel-) Target. Wenn der Spieler es schafft zuerst die weißen Targets zu treffen und dann da alleinstehende rote Target erhält er dafür ein Freispiel! Targets die getroffen werden erst nach einem Treffen des oberen oder unteren Ballholes wieder aufgestellt.
Der Solar Ride ist einer der wenigen Flipper mit In-Line Flippern. Diese befinden sich unten links.
Obwohl der Solar Ride nicht gerade mit Spieltiefe überzeugen kann und ihm auch solche Features wir Memory Recall fehlen die bei Flippern von Bally, Stern und Williams längst Standart waren, wurden mit 9165 Maschinen dennoch erstaunlich viele verkauft
Wenn man ältere Flipper-Techniker nach dem Solar Ride oder der “Gottlieb System 1”-Architektur fragt, erntet man oft ein gequältes Seufzen. Die Geschichte dahinter: Gottlieb war damals Marktführer bei mechanischen Flippern, weigerte sich aber lange, auf digitale Platinen umzustellen. Als sie es schließlich taten, ließen sie von der Firma Rockwell maßgeschneiderte Mikrochips entwickeln (die sogenannten “Spider Chips”, weil sie so viele Beine hatten). Das Problem: Rockwell ging pleite, und die Chips wurden extrem rar. Ging beim Solar Ride ein solcher Chip kaputt – oft ausgelöst durch eine auslaufende Datenspeicher-Batterie, die die Platine verätzte, war der Flipper Schrott. Das führte dazu, dass der Solar Ride in Kneipen berüchtigt dafür war, monatelang mit dem Schild „Defekt“ in der Ecke zu stehen, bis die Aufsteller ihn frustriert entsorgten.
Die wohl bekannteste historische Geschichte ist die Existenz der elektro-mechanischen (EM) Version. Während die digitale Version mit ihren Pieptönen der neue Schrei war, verlangten einige traditionelle Aufsteller und Spieler in den USA das vertraute, laute “Klack-Klack” der mechanischen Zählwerke und Relais. Gottlieb gab nach und baute eine winzige Auflage von nur 365 rein mechanischen Geräten. Weil es die absolut letzten 4-Spieler-EM-Geräte waren, die Gottlieb je baute, ist diese Variante heute ein extrem teures und gesuchtes Sammlerstück. Wer eine echte Solar Ride EM in der Garage stehen hat, besitzt ein Stück Flipper-Weltgeschichte.


