Gottlieb · 1979
Genie

Genie ist der erste Widebody-Flipper von Gottlieb. Später folgen zwar noch alle Geräte der Star Serie 80, die zwar auch alle breiter als normale Flipper sind, aber der Genie ist bis heute der einzige richtige Widebody-Flipper von Gottlieb.
Der Genie hat ein Motiv aus Tausendundeine Nacht. Ein Zauberer öffnet die Flasche mit dem Flaschengeist. Dieser erscheint hier in weiblicher Gestalt. Ähnlichkeiten mit Barbara Eden aus der zur damaligen Zeit sehr beliebten TV-Serie “Die bezaubernde Jeannie” sind unverkennbar. Dennoch ist es kein Lizenzthema!
Zum ersten Mal hat Gottlieb im Genie ein zweites kleines Spielfeld eingebaut. Es befindet sich in der oberen linken Spielfeldecke und hat zwei eigene kleine Flipperfinger. Ebenfalls findet sich dort eine 7-fach Targetbank mit 4 roten und 3 weißen Zielen. Sind alle Ziele einer Farbe getroffen, so werden alle Ziele wieder aufgestellt.
Das Spiel selbst startet in der oberen rechten Ecke mit den A-B-C-D Kugeldurchläufen. Das Treffen aller Durchläufe an dieser Stelle oder an der linken Seite ergibt eine Extraball-Chance. Direkt unter den Kugelbahnen befinden sich zwei Bumper. Rechts davon ist ein Kugelauswurfloch zu finden. In bestimmten Situationen kann der Spieler hier seine Bonuspunkte addieren lassen und den Bonus anschließend neu aufbauen. Dies ergibt relativ hohe Punktezahlen. Direkt daneben befindet sich noch ein Kugeldurchlauf welcher die Kugel wieder zum Abschuss befördert.
Ein Stückchen unterhalb der Bumper hat Gottlieb eine 4er Targetbank platziert. Ein Treffer dieser Targets erhöht den Bonus-Multiplikator, sofern das Lämpchen aufleuchtet.
Im unteren Drittel auf der linken Seite finden wir dann noch einmal die erwähnten A-B-C-D Kugeldurchläufe. Diese sind mit den oberen parallel geschaltet, sodass man auch hier die Extraball-Chance erspielen kann.
Unten hat Gottlieb dann noch 3 Flipperfinger angeordnet. Während die beiden unteren sich hervorragend zum Spielen in der unteren Spielfeldhälfte eignen, kann man mit dem oberen rechten Flipper sehr gut das kleine Zusatzspielfeld erreichen.
Der Genie ist ein Gerät, das mit der altbekannten System-1-Technik gebaut wurde. Technisch gesehen hat Gottlieb bei diesem Gerät alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Der Genie ist eines der ersten Gottlieb Geräte mit dem Supersoundmodul. Mit diesem kann der Flipper für die damalige Zeit durchaus passable Soundeffekte erzeugen.
Für einen Widebody ist der Genie erstaunlich gut zu spielen. Sein Spielfeld erlaubt kurze gezielte Schüsse ebenso wie lange über das ganze Spielfeld reichende Distanzschüsse. Die insgesamt 5 Flipperfinger ermöglichen dem Spieler eine gute Kontrolle und erhöhen die Spielgeschwindigkeit.
Optisch gehört der Genie sicherlich zu den schönsten Geräten der damaligen Zeit.
Der Genie entstand aber nicht im luftleeren Raum, sondern war Gottliebs direkte Kriegserklärung an den Erzrivalen Bally. Bally hatte kurz zuvor mit dem Flipper Paragon einen riesigen Erfolg im neuen Widebody-Format gefeiert. Gottlieb, bis dahin eher konservativ und bekannt für Standardgehäuse, stand unter Zugzwang. Um Bally zu übertrumpfen, bauten sie den Genie nicht nur breit, sondern entwarfen ein „Super-Widebody“-Monster, das neben normalen Flippern der Ära so gigantisch wirkte, dass es in den Spielhallen regelrecht alles andere überschattete.
Das anzügliche Wortspiel der Werbekampagne: Die Marketingabteilung von Gottlieb nutzte die schiere Größe des Gehäuses für eine legendär gewordene Kampagne mit doppeldeutigen Slogans. Auf den originalen Werbeflyern prangte der Satz: „Gottlieb’s WIDE and Beautiful BODY“ (Gottliebs BREITER und schöner KÖRPER). Das war ein cleveres und für damalige Verhältnisse typisch augenzwinkerndes Wortspiel: Es bezog sich einerseits auf die enorme Breite des hölzernen Flippergehäuses, andererseits auf die kurvige, leicht bekleidete Flaschengeist-Dame, die der Zeichner Gordon Morison auf das Backglass und das Spielfeld gezaubert hatte. In der Flipper-Kunst der 70er-Jahre gab es ungeschriebene Gesetze bezüglich Freizügigkeit, da die Automaten oft in familienfreundlichen Diners oder Spielhallen standen. Der Designer Gordon Morison ging beim Genie jedoch aufs Ganze und zeichnete den Flaschengeist im klassischen „Bedlah“-Kostüm (orientalischer Bauchtanz-Zweiteiler). Unter Sammlern gilt der Genie als einer der allerersten Flipperautomaten, bei dem eine menschliche Figur mit deutlich sichtbarem Bauchnabel abgebildet wurde – für das Jahr 1979 ein kleiner, viel diskutierter Tabubruch in den USA.
Das Artwork erzählt eine eigene kleine Geschichte: Auf der Kopfscheibe (Backglass) sieht man einen Zauberer mit langem Bart, der den mächtigen Geist aus der Lampe beschwört. Schaut man jedoch genau auf das Spielfeld, wandelt sich die Dynamik: Dort neckt und ärgert der weibliche Geist den sichtlich überforderten Magier. Zudem versteckte Morison ein kleines, fast affenartiges Fabelwesen (den Familiar oder Haustier des Zauberers) in den Grafiken, das auf den verschiedenen Plastikteilen des Flippers immer wieder in panischen Situationen auftaucht.


