Flipper → Gottlieb

Gottlieb · 1979

Totem

Totem, Backglas

Der Gottlieb Totem ist ein klassischer Solid-State-Flipper (elektronisch gesteuert), der im August 1979 von der Firma D. Gottlieb & Co. auf den Markt gebracht wurde. Mit einer Produktionszahl von 6.643 Einheiten fällt das Gerät genau in die absolute Blütezeit der Flipperszene Ende der 1970er-Jahre.

Der Totem war das zehnte Spiel in Gottliebs System 1-Reihe. Diese Generation markierte für Gottlieb den technologischen Übergang von den alten elektro-mechanischen Relais-Geräten hin zu mikroprozessorgesteuerten Platinen (MPU). Er war der erste Flipper der System 1-Serie, der mit der zweiten Generation des Multi-Mode-Soundboards ausgestattet war. Statt simpler mechanischer Glocken erzeugte die Platine für damalige Verhältnisse neuartige elektronische Töne, die dem Spiel einen markanten Science-Fiction- und Synthesizer-Charakter gaben.Anzeigen: Typisch für diese Gottlieb-Ära sind die markanten, großen blauen Digitalanzeigen (Gasentladungs-Displays) für bis zu vier Spieler.

Das Design wurde von Ed Krinsky entworfen, während die aufwendigen Illustrationen von Gordon Morrison stammen. Das Thema orientiert sich am amerikanischen Westen und indigenen Stammesmotiven. Sammler schätzen das Gerät besonders für sein detailliertes und farbenfrohes Backglass (die Kopfglasscheibe), das im Vergleich zu anderen, oft cartoonhaften Flippern dieser Ära ein realistischeres, fast mystisches Motiv (Mensch konfrontiert eine Kreatur) zeigt.

Obwohl der Totem ein klassisches Single-Ball-Spiel ohne Rampen oder Multiball-Modus ist, bietet das Spielfeld-Layout einige markante Alleinstellungsmerkmale.
Eine der größten Besonderheiten ist die unkonventionelle Anordnung der beiden Flipperfinger. Der rechte Flipperfinger ist spürbar höher angebracht als der linke. Diese ungewöhnliche Geometrie erfordert vom Spieler Umgewöhnung und macht präzise Schüsse herausfordernd. Oben links befindet sich ein spezielles, von Gottlieb patentiertes Vari-Target. Je härter und schneller die Kugel dieses Ziel trifft, desto weiter wird es nach hinten geschoben. Entsprechend der Einschlagtiefe schüttet das Gerät unterschiedlich hohe Punkte und Bonus-Multiplikatoren (bis zu 5x) aus. Das Spielfeld besitzt drei Paare (insgesamt 6) der für Gottlieb typischen Fallziele (Drop Targets). Das primäre Spielziel liegt darin, den Bonuswert auf das Maximum von 20.000 Punkten zu treiben. Ist dies geschafft, leuchtet ein grünes Licht am rechten Auswurfloch (Saucer) auf. Ein gezielter Schuss dorthin löst den wertvollen Bonus-Countdown aus.

Restauratoren finden heute auffallend viele Totem-Geräte, bei denen nachträglich ein kleiner Metallstift (Mini-Post) direkt zwischen den beiden Flipperfingern in das Holz geschlagen wurde. Das war ein rabiater Eingriff der Automatenaufsteller. Weil frustrierte Spieler das Gerät in den Kneipen sonst einfach links liegen ließen, gaben die Betreiber den Spielern mit diesem “Center Post” eine unfaire Überlebenschance, um die Spielfreude (und die Einnahmen) zu retten.

Der Totem war stolzer Träger der brandneuen, zweiten Generation von Gottliebs elektronischem Soundboard. Für die Kids von 1979 klangen die synthetischen Piep- und Arpeggio-Töne absolut futuristisch und nach Science-Fiction. Für Kneipenbesitzer und Gastronomen, die den Automaten direkt neben der Theke stehen hatten, entpuppte sich der Totem jedoch als akustische Folter. Da die Töne bei jedem Treffer der Fallziele repetitiv und schrill schallten, war der Griff zum Seitenschneider – um das Kabel des Lautsprechers kurzerhand zu kappen – in so mancher deutschen Flipper-Kneibe die letzte Rettung für die Nerven des Wirts.

Totem, Backglas
Backglas · Zoom
Totem, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Totem, Maschine
Maschine · Zoom