Flipper → Williams

Williams · 1967

Beat Time

Beat Time, Backglas

Der Williams „Beat Time“ ist ein legendärer, elektromechanischer Flipper (EM) aus dem Jahr 1967, der vor allem wegen seiner kuriosen Entstehungsgeschichte rund um die Beatles und fehlende Lizenzrechte Berühmtheit erlangte.

Der Beatles-Hintergrund: „The Bootles“.

Es hielt sich lange das Gerücht, Williams habe ernsthafte Lizenzverhandlungen mit dem Management der Beatles geführt, die dann krachend scheiterten.
Grafiker Jerry Kelley räumte im Jahr 2000 in einem Interview mit Flipper-Historikern jedoch mit diesem Mythos auf: Williams hatte nie vor, die Beatles überhaupt zu kontaktieren oder für eine teure Lizenz zu bezahlen. In den Augen der älteren Firmenleitung im Chicago der 1960er-Jahre waren die Beatles ohnehin nur eine „vorübergehende Modeerscheinung“ ungezogener Teenager. Man nahm sie schlicht nicht ernst genug, um Geld zu investieren. Der Flipper war von Anfang an als bewusste Parodie und humorvoller Streich (Spoof) konzipiert.

Auf dem Höhepunkt der „Beatlemania“ in den 1960er-ahren wollte der US-Hersteller Williams Electronic Games einen Flipper auf den Markt bringen, der das Thema der weltberühmten Pilzköpfe aufgreift. Da die Verhandlungen über die offiziellen Namens- und Lizenzrechte mit den Beatles jedoch scheiterten, umging Williams das Problem mit einer satirischen Parodie:

Auf der Kopfscheibe (Backglass) wurde die fiktive Band „The Bootles“ (manchmal auch als „Boodles“ interpretiert) abgebildet.

Obwohl die Figuren unverkennbar wie John, Paul, George und Ringo aussehen und den Zeitgeist perfekt einfangen, handelt es sich rein rechtlich um ein nicht lizenziertes Bootleg-Design.

Auf der Drehscheibe in der Mitte des Spielfelds sind zudem verfremdete Namen anderer bekannter Musikgruppen der Ära untergebracht.
Aus den Rolling Stones wurden „The Groaning Bones“ (Die stöhnenden Knochen).
Andere Felder parodieren Bands wie die Hollies oder die Monkees.
Die Sammler-Community rätselt bei einigen der verfremdeten Namen auf der Drehscheibe bis heute, welche realen Bands das Team um Steve Kordek damals im Sinn hatte.

Kurioses Sammlerdetail: Es existieren moderne, inoffizielle Reproduktionen des Backglass, bei denen der Schriftzug nachträglich durch das echte „The Beatles“-Logo ersetzt wurde.

Entworfen wurde das Gerät von zwei absoluten Legenden der Flipper-Geschichte: Spieldesigner Steve Kordek und Grafiker Jerry Kelley. Für Kelley war es das letzte Kunstwerk für Williams, bevor er zum Konkurrenten Bally wechselte.

Das Gameplay gilt als schnell und für die damalige Zeit knackig im Schwierigkeitsgrad. Das Spielfeld bietet ein klassisches, zeitloses Layout mit folgendem Setup:

2 kleine Flipperfinger (typisch für die 60er-Jahre, wodurch präzise Schüsse schwerer sind).
5 Pop-Bumpers (Schlagturm-Kontakte) im Zentrum, 2 Slingshots, 2 Standup-Targets sowie eine markante rotierende Zielscheibe (Rotating Target).

Die angewinkelten Gummi-Puffer leiten die Kugel oft direkt in Richtung der Flipperfinger um, was das Risiko von Ballverlusten erhöht und schnelle Reflexe erfordert. Das Punktemaximum des Zählwerks liegt bei 9.999 Zählern.

Auf dem Spielfeld und der Kopfscheibe müssen die Buchstaben des Wortes B-E-A-T T-I-M-E beleuchtet werden.
Die Buchstaben werden durch das Überrollen der oberen Bahnen (Top Lanes) und das Treffen der seitlichen Kontakte aktiviert.
Sobald der komplette Schriftzug leuchtet, wird der „Special“-Modus aktiv. Das Treffen bestimmter Ziele gewährt dann entweder einen Freiball (Extra Ball) oder ein Freispiel (Credit), je nachdem, wie der Automat vom Aufsteller eingestellt war.

Da es sich um ein frühes elektromechanisches Gerät handelt, ist das mechanische Zählwerk (Score Reels) auf maximal 9.999 Punkte pro Spieler ausgelegt. Erreicht ein Spieler 10.000 Punkte, springt das Zählwerk wieder auf Null (wird auf Turnieren als „Over the Top“ bezeichnet) und eine kleine Lampe auf dem Backglass leuchtet auf, um anzuzeigen, dass man die 10.000er-Marke geknackt hat.

Der Beat Time wurde regulär mit einem auffallend grünen Gehäuse und grünlich dominierten Grafiken ausgeliefert. Jahrzehnte später tauchten in Sammlerkreisen plötzlich vereinzelt Geräte auf, bei denen das Gehäuse und Teile des Spielfelds in hellem Blau erstrahlten.
Sofort begannen Spekulationen: Handelt es sich um extrem seltene Prototypen? Jerry Kelley klärte auch das pragmatisch auf: In den 60er-Jahren kam es in den Fabriken schlicht vor, dass eine bestimmte Farbe wegen Lieferengpässen ausging oder eintrocknete. Bevor man die Produktion stoppte, wurde kurzerhand mit einer anderen, gerade verfügbaren Farbe weitergedruckt. Was heute als „ultra-seltene Fabrikvariante“ teuer gehandelt wird, war damals also nur das Ergebnis von Materialmangel.

Beat Time, Backglas
Backglas · Zoom
Beat Time, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Beat Time, Maschine
Maschine · Zoom