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Williams · 1981

Pharaoh

Pharaoh, Backglas

Der Pharaoh ist ein im Mai 1981 von Williams Electronics veröffentlichter Solid-State-Flipper. Mit einer Produktionszahl von 2.500 Einheiten gehört er zu den selteneren Klassikern der sogenannten „System 7“-Ära des Herstellers.

Anfang der 1980er-Jahre stand die Flipperindustrie unter massivem Druck durch die aufkommenden Video-Arcade-Spiele. Williams reagierte darauf mit technologischen Innovationen wie Sprachausgabe und komplexen Spielfeldern. Der Pharaoh ist Teil der berühmten „Doppeldecker-Viererbande“ (Double-Level Playfield) von Williams. Er war das dritte Gerät in dieser Reihe und folgte auf die Meilensteine Black Knight und Jungle Lord, bevor die Serie mit Solar Fire abgeschlossen wurde.

Das altägyptische Thema spiegelt sich stark im anspruchsvollen Regelwerk und dem Spielfelddesign wider:

Zwei Spielfeldebenen (Split-Level): Die Kugel wird direkt auf die obere Ebene geschossen. Ein besonderes Highlight ist der Hidden Tomb-Schuss, welcher die Kugel überraschend wieder von unten nach oben befördert.

Keine Pop-Bumper: Ungewöhnlich für Flipper dieser Zeit besitzt der Pharaoh überhaupt keine klassischen Schlagtürme (Bumper). Das Spiel basiert rein auf gezielten Schüssen über die insgesamt 4 Flipperfinger.

Magna-Save: Elektronische Magnete in den seitlichen Auslaufbahnen (Outlanes), die der Spieler per Knopfdruck am Gehäuse aktivieren kann, um die Kugel vor dem Aus zu retten.

Multiball & Sprachausgabe: Das Gerät verfügt über einen 2-Kugel-Multiball und fordert Spieler beim Starten mit einer düsteren, synthetischen Stimme heraus („Who dares enter the tomb of the mighty Pharaoh?“).

Bonus-Ball-Feature: Spielen zwei oder mehr Spieler gegeneinander, erhält der Punktbeste am Ende eine feste Freizeitschleife, in der er für eine bestimmte Sekundenzahl mit unendlich vielen Kugeln weiterspielen kann.

Der Multiball ist das Herzstück des Regelwerks und wird in mehreren Schritten auf beiden Ebenen vorbereitet:

Mumien-Targets (Untere Ebene): Auf der linken unteren Seite müssen die drei orangefarbenen „Mummy“-Fallziele (Drop Targets) komplett abgeräumt werden. Dies beleuchtet das Schloss (Lock) für die erste Kugel.

Pharaoh-Ziele (Obere Ebene): Auf der oberen Ebene müssen die fünf „Pharaoh“-Fallziele getroffen werden, um das Schloss für die zweite Kugel freizuschalten.

Kugeln einlocken: Werden die Kugeln in die freigeschalteten Löcher geschossen, startet der 2-Ball Multiball.

Der Jackpot: Während des Multiballs öffnet sich die obere Rampe. Gelingt hier ein präziser Schuss, wird der Pharaonen-Schatz geplündert und ein massiver Punkte-Jackpot ausgeschüttet.

Das Magna-Save-System (Rettungsmagnete)
Der Pharaoh besitzt auf beiden Seiten spezielle Auslaufbahnen (Outlanes). Droht die Kugel dort ins Aus zu rollen, kommt das Magna-Save-System ins Spiel:
An den Gehäuseseiten befinden sich neben den Flipperknöpfen zwei zusätzliche Knöpfe. Durch Drücken wird ein starker Elektromagnet unter der jeweiligen Outlane aktiviert, der die Kugel einfängt und festhält. • Lässt man den Knopf los, fällt die Kugel kontrolliert zurück auf die unteren Flipperfinger.

Der Haken an der Sache: Magna-Save muss zuerst über die Überrollkontakte (Inlanes) aufgeladen werden und steht nicht unbegrenzt zur Verfügung.

Multiplikatoren und der „Bonus Ball“
M-U-M-M-Y Buchstabieren: Über das Spielfeld verteilt erhöht das Sammeln der M-U-M-M-Y-Buchstaben den Bonus-Multiplikator (bis zu 7x).
Das Bonus-Ball-Feature: Wenn mindestens zwei Spieler gegeneinander antreten, wird am Ende des normalen Spiels der Bonus Ball aktiviert. Der Spieler mit der höchsten Punktzahl darf für eine begrenzte Zeit (z. B. 30 Sekunden) mit unendlich vielen Kugeln weiterspielen. Geht eine Kugel ins Aus, wird sofort eine neue eingeschossen, bis die Zeit abgelaufen ist.

Der Pharaoh war einer der ersten Flipper mit einer echten, wenn auch stark verzerrten Sprachausgabe.
Der düstere Satz „Who dares enter the tomb of the mighty Pharaoh?“ jagte Jugendlichen in den Spielhallen damals Schauer über den Rücken. Verantwortlich für diesen Sound war der Sound-Designer John Kotlarik. Die Legende besagt, dass das Team tagelang mit frühen Pitch-Shiftern und Synthesizern experimentierte, um eine menschliche Stimme so klingen zu lassen, als würde sie direkt aus einer jahrtausendealten, staubigen Grabkammer dröhnen.

Obwohl der Pharaoh heute unter Sammlern aufgrund seiner Seltenheit (nur 2.500 gebaute Einheiten) heiß begehrt ist, hatte er es bei seiner Veröffentlichung 1981 schwer.Er war das dritte Gerät der sogenannten „Split-Level“-Serie. Der erste Flipper dieser Reihe, der legendäre Black Knight, schlug ein wie eine Bombe und veränderte die Flipperwelt nachhaltig.

Als der Pharaoh erschien, war der „Neuheits-Effekt“ der zwei Etagen bei den Spielern bereits etwas verflogen. In alten Forenberichten und Flipper-Magazinen wird er oft als der „übersehene Bruder“ bezeichnet – zu Unrecht, denn spielerisch gilt er durch das Fehlen der unberechenbaren Schlagtürme (Bumper) unter Profis als der weitaus strategischere und fairere Flipper.

Der Künstler Seamus McLaughlin versteckte im extrem detailreichen und farbenfrohen Artwork des Gehäuses (Cabinet) und des Kopfteils (Backglass) kleine visuelle Geschichten. Neben den klassischen Hieroglyphen-Imitationen und Streitwagen bildete er die Sklaven und Arbeiter beim Bau der Pyramiden bewusst dynamisch und fast schon comichaft ab. Wenn man genau hinsieht, erkennt man auf dem Spielfeld, dass die Wege der Kugel exakt so gezeichnet sind, dass sie die Fluchtwege aus einer einstürzenden Grabkammer symbolisieren.

Pharaoh, Backglas
Backglas · Zoom
Pharaoh, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Pharaoh, Maschine
Maschine · Zoom