Flipper → Atari

Atari · 1978

Middle Earth

Middle Earth, Backglas

Atari baute als erster die Elektronik um einen kleinen 8bit- Prozessor herum auf. Als Basis diente der Motorola 6800. Dieses Layout behielt Atari (mit kleineren kosmetischen Änderungen) während der gesamten Ära bei. Im Gegensatz zu den damals gebräuchlichen mechanischen Flippern wurden sämtliche Sensoren (Kontakte) auf dem Spielfeld fortwährend der Reihe nach abgefragt und, falls es zu einer Meldung kam, durch Anweisungen aus dem Rom durch das Hauptprogramm abgearbeitet. Das war neu und Atari war der Konkurrenz, die zu dieser Zeit immer noch mit Relaisbänken und Scoremotoren arbeitete, damit weit voraus. Auch Diagnoseprogramme und automatische Fehlersuchprogramme hatte Atari schon eingebaut. Der Aufsteller konnte alle Einstellungen über Dip-Schalter vornehmen, anstatt irgendwelche Kabel neu zu stecken.

Auch die Spielfeldspulen wurden direkt vom Prozessor über Darlington-Treibertransistoren angesteuert und nicht mehr über Kontakte.

Atari verzichtete bei der internen Verkabelung weitgehend auf direktes Löten und nutzte stattdessen Krimpverbindungen und Steckschuhe. Was damals die Wartung und den schnellen Austausch von Teilen erleichtern sollte, stellte sich über die Jahrzehnte als Schwachstelle heraus, da die Kontakte anfällig für Korrosion und Wackelkontakte sind.

Die zeitliche Nähe eines großen Filmereignisses (Krieg der Sterne) hatte auch Einfluss auf die Gestaltung dieses Flippers: Der Sternenkrieger ist besonders auf dem Backglass unübersehbar, der blonde Krieger und auch die Frau haben beide Laserschwerter.

Wie fast alle anderen Atari Modelle hat auch der Middle Earth keine Punkteanzeigen im Kopfteil. Das Kopfteil wäre eigentlich unnötig und wurde nur aus optischen und historischen Gründen montiert. Die Anzeigen selbst sind in der unteren Andeckung über dem Outhole integriert. Das Spielfeld teilt sich asymetrisch in einen oberen und unteren Teil, die jeweils mit zwei Flipperfingern bestückt sind. Die beiden Schlagtürme befinden sich in der oberen Spielfeldhälfte. Beide Spielfelder verfügen über eine 5er Targetbank. Im Übergang zwischen den Spielfeldhälften wurden zwei Spinner montiert. Sowohl in der oberen als auch in der unteren Spielfeldhälfte befindet sich eine Targetbank mit fünf Fallzielen.

Obwohl Atari viele gute Ideen hatte, wurde diese Firma keiner der grossen Flipperproduzenten und zog sich nach 5 Jahren wieder aus der Flipperproduktion zurück.
Dazu trugen letztendlich einige Fehler bei, die Atari unterliefen. Atari produzierte nur überbreite Maschinen mit relativ grossen Freiflächen, die zu einem langsamen Spielablauf führten und dem Spieler irgendwie das Gefühl der Leere vermittelten. Ataris größter Fehler aber war folgender: Die Steuereinheit des Flippers wurde unterhalb des Spielfeldes auf dem Gehäuseboden montiert. Dies führte regelmässig zu Kurzschlüssen und Schäden an der Platine, wenn sich einmal eine Schraube löste oder etwas anderes metallisches herunterfiel. Zwar montierte Atari eine Plastikabdeckung auf der Platine, aber auch diese half nur wenig. Aus diesem Grund waren diese Flipper bei den Aufstellern relativ unbeliebt.

Ansonsten waren diese Geräte sehr wartungsfreundlich: An den Spulen waren Steckverschlüsse montiert, so daß ein Wechsel ohne löten möglich war und als Kontakte fanden richtige Microschalter Verwendung. Diese Idee wurde von den anderen Herstellern erst 15 Jahre später übernommen.

Der Atari Middle Earth (veröffentlicht im Februar 1978) ist der vierte Flipperautomat, den Atari, Inc. über seine hauseigene Pinball-Division auf den Markt brachte.
Trotz des irreführenden Namens hat der Flipper nichts mit J.R.R. Tolkiens “Der Herr der Ringe” zu tun. Stattdessen thematisiert er ein Sci-Fi-Fantasy-Szenario einer “verlorenen Welt” im Erdinneren, bevölkert von Dinosauriern, Riesenaffen, Monstern und futuristischen Entdeckern. Das markante Artwork stammt von dem legendären Atari-Grafiker George Opperman, während das Flipper-Design von Gary Slater entworfen und 11857 mal gebaut. Damit ist der Middle Earth der meistgebaute Atari Flipper.

Warum nannte Atari einen Sci-Fi-Flipper mit Dinosauriern, UFOs und Riesenaffen ausgerechnet Middle Earth? Das war pures Kalkül und geschicktes Trittbrettfahrer-Marketing. 1977 lief der Zeichentrick-Fernsehfilm The Hobbit von Rankin/Bass im US-Fernsehen, und für Herbst 1978 war Ralph Bakshis großer Kino-Animationsfilm The Lord of the Rings angekündigt. Da der Begriff „Middle-earth“ damals markenrechtlich in dieser Form nicht geschützt werden konnte, solange man keine geschützten Charaktere wie Frodo oder Gandalf zeigte, erfand Atari einfach eine eigene „Erde im Erdinneren“ (Lost World)

Middle Earth, Backglas
Backglas · Zoom
Middle Earth, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Middle Earth, Maschine
Maschine · Zoom