Atari · 1979
Hercules

Atari, heute vor allem für Videospiele und Heimkonsolen bekannt, betrieb in den späten 1970er-Jahren eine eigene Flipper-Sparte. Der Hercules war das finale und spektakulärste Ausrufezeichen dieses kurzen Ausflugs in die mechanische Spielhallenwelt.
Der Hercules war der letzte serienmäßig produzierte Flipper der Firma Atari. Alle folgenden Modelle wurden nur noch als Prototypen gebaut. Auch der Hercules sollte auf Grund seiner Größe ein Nischendasein fristen. Der Hercules ist der größte Serienflipper der Welt.
Seine Maße: Länge ca. 2,40m, Breite ca. 1m, Höhe ca. 2,11m!
Er wurde von Steve Bicker und Jim Kelly entworfen und von Atari im Jahr 1979 in einer Auflage von nur 280 Stück gebaut. Wie der Name schon sagt, ist an diesem Flipper alles gigantisch. Die fängt bei den Außenmaßen an (siehe oben) und macht auch vor der Flipperkugel nicht halt: es wird eine Billard-Kugel benutzt! Mit fast 2,5 m² ist die Spielfläche ca. vier Mal so groß als wie bei einem “normalen” Flipper. Die Elektronik ist ähnlich wie in allen anderen Flippern, nur die Mechanik ist “etwas größer” geraten. Es wurden dieselben Platinen wie schon im Vorgängermodell Supermann eingebaut. Die 220V Spulen wurden dann über ein zusätzliches Interfaceboard gesteuert welches wiederum von einem Standart-Treiberboard angesteuert wurde.
Die Entstehung des Hercules basiert auf einer kuriosen Vorgeschichte. Ursprünglich wurde das Konzept 1977 von der Firma Arcade Engineering unter dem Namen „Bigfoot“ für den Konkurrenten Bally entwickelt. Bally lehnte jedoch ab, da sich die Prototypen bei Tests durch die immensen Krafteinwirkungen der schweren Kugel buchstäblich selbst zerstörten. Bally stellte einen dieser Prototypen zu Testzwecken auf einer Messe aus. Das Problem: Die damaligen Flipper liefen noch mit klassischer, elektromechanischer Relaistechnik. Nach nur wenigen Stunden Ausstellungsbetrieb erlitt der Flipper einen mechanischen Totalschaden. Durch die ständigen, ungefilterten Erschütterungen der schweren Kugel rüttelte sich die Maschine buchstäblich in Stücke: Lampensockel fielen reihenweise ab, Lötstellen brachen auf und das Holzgehäuse bekam Risse. Bally bekam Panik vor den immensen Garantie- und Wartungskosten und stampfte das Projekt augenblicklich ein, woraufhin Atari die Rechte erwarb. Atari überarbeitete die Technik radikal auf Solid-State-Basis (elektronische Steuerung). Um die schwere Billardkugel überhaupt mit Wucht bewegen zu können, mussten die Atari-Ingenieure auf Zweckentfremdung setzen: Die massiven Flipperfinger wurden unter anderem mit Teilen aus Waschmaschinenmotoren angetrieben. Aufgrund des enormen Gewichts des Spielfelds lässt es sich für Wartungsarbeiten nicht wie gewohnt hochklappen. Stattdessen besitzt das Gehäuse an der Unterseite zwei Klapptüren („Scheunentore“), durch die ein Techniker hineinklettern oder sich auf den Rücken legen muss, um an die Elektronik zu gelangen.
Während der Hercules in den USA meistens stationär in Vergnügungsparks aufgestellt wurde fanden nur einzelne Exemplare den Weg nach Europa. Hier wurden sie hauptsächlich zu Werbezwecken für 1-2 Tage in einzelnen Spielhallen eingesetzt. Auf die Stellfläche eines Hercules passen 3-4 Flipper in Standartgröße, die aber wesentlich mehr Umsatz brachten.
Spielerisch ist der Hercules aufgrund der langen Ballwege relativ langsam. Wer allerdings noch einmal das Gefühl erleben will welches er als Kind vor einem riesigen “normalen!” Flipper hatte, der ist am Hercules sicherlich richtig!


