Atari · 1977
Airborne Avenger

Der Airborne Avenger ist der erste Flipper des späteren Star-Designers Steve Ritchie. Ritchies Laufbahn fing nach dem Schulabschuss als Tester bei Atari an. Er testete zuerst einzelne Komponenten und später die fertigen Maschinen. Eigentlich wollte er komplette Geräte entwerfen, aber der Beruf des Pinball-Designers war damals studierten Grafikern und Ingenieuren vorbehalten. Versuche von Steve, in die Entwicklungsabteilung zu kommen, wurden abgelehnt. Trotzdem gab Steve nicht auf und entwickelte in seiner Freizeit eigene Flipperdesigns. Als er den Entwurf seinem direkten Vorgesetzten zeigte, bügelte dieser ihn eiskalt ab. Ritchie ließ sich nicht entmutigen, marschierte direkt zum legendären Atari-Gründer Nolan Bushnell und legte ihm die Pläne vor. Bushnell war begeistert, gab Ritchie sofort ein eigenes Budget und wies der Pinball-Division eine eigene Werkstatt zu, damit der Prototyp gebaut werden konnte – dieser entstand dann in rekordverdächtigen vier Wochen. Ritchie stieg dadurch über Nacht vom Techniker zum Flipper-Designer auf! Von allen Atari Widebody Maschinen macht der Airborne Avenger am meisten Spaß.
Der Airborne Avenger ist wie fast alle Atari Flipper eine Widebody Maschine. Das Spielfeld wird in der Mitte durch eine Messenger-Kugel-Einheit in zwei Hälften geteilt. Dort kann der Spieler Bonuspunkte sammeln.
Über das ganze Spielfeld sind Ziele verteilt, die mit den Buchstaben A-B-C beschriftet sind. Hat der Spieler diese gesammelt, erhält er Doppelbonus. An der linken Seite ist ein Spinner montiert. Hinter diesem ist ein Katapult, welches die Kugel wieder zum Spielfeldkopf befördert. Zwei Schlagtürme befinden sich an der Oberseite des Spielfeldes, ein weiterer auf der rechten Seite etwa in der Spielfeldmitte. Am rechten und linken Rand sind im oberen Spielfelddrittel noch zwei Kugelfanglöcher verbaut. Damit sind beim Airborne Avenger die wichtigen Ziele über das ganze Spielfeld verstreut und der Spieler muss versuchen, alle zu erreichen. Das macht das Spiel abwechslungsreicher, da monotone Schüsse auf eine bestimmte Stelle nicht zu guten Punkewerten führen.
Auch beim Airborne befindet sich die Punkteanzeige nicht im Flipperkopf, sondern auf dem Apron am unteren Ende des Spielfeldes. Das Kopfteil dient nur zur Dekoration und das Motiv der Buntglasscheibe wird nicht durch Ausschnitte für Displays zerschnitten.
Die Technik ist Atari Standard: Eine große Mikroprozessorplatine auf dem Gehäuseboden unterhalb des Spielfeldes, digitaler Sound, wie er bei den damaligen Videomaschinen üblich war, sowie alle Kontakte in Microschalterausführung. Spulen, Lampen und Kontakte sind mit Steckverbindungen angeschlossen, so daß ein Austausch ohne Lötkolben möglich ist.
George Opperman, der für die künstlerische Gestaltung verantwortlich ist, war übrigens der erste von Atari eingestellte Künstler. Er entwarf auch das bekannte Atari-Logo! Steve Ritche verließ kurz danach Atari und wechselte zu Williams, nachdem man dort auf ihn und seine Ideen aufmerksam wurde. Dort entwarf er später so bekannte Maschinen wie Flash, Firepower, Black Knight, High Speed, Terminator2 und Star Trek Next Generation. Inzwischen arbeitet Steve Ritchie bei Stern und hat dort Maschinen wie Terminator 3 oder Elvis entworfen.
Jahrzehntelang hielt sich in der Flipper-Community das Gerücht, die Airborne Avenger sei ein ultraseltener Prototyp, von dem weltweit nur 350 Stück gebaut wurden. Sammler zahlten astronomische Summen für vermeintliche Raritäten. Erst Jahrzehnte später wurde das Rätsel aufgeklärt, als das offizielle Internet Pinball Database (IPDB) Team direkt bei Steve Ritchie nachfragte. Dieser erinnerte sich an die internen Marketingzahlen von Atari: Verkauft wurden exakt 3.420 Einheiten. In den frühen Dokumentationslisten hatte schlicht jemand im Atari-Büro eine Null am Ende vergessen, was den Tisch künstlich zum Mythos machte.
Das Hauptziel des Spiels ist es, die Buchstaben für das Wort A-I-R-B-O-R-N-E-A-V-E-N-G-E-R zu treffen. In einem Interview im Jahr 2014 wurde Steve Ritchie gefragt, ob er jemals ein Feature entworfen habe, das er im Nachhinein zutiefst bereut. Seine Antwort kam wie aus der Pistole geschossen: „Ja. Das Airborne-Avenger-Ausschreiben.“ Das Wort war schlicht viel zu lang. Spieler mussten sich frustriert durch 15 Buchstaben kämpfen, was den Spielfluss massiv bremste und das Gameplay unnötig zäh gestaltete. Ritchie bezeichnet den Tisch heute offen als sein „schlechtestes Spiel“.


