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Williams · 1979

Stellar Wars

Stellar Wars, Backglas

Stellar Wars ist ein im März 1979 veröffentlichter Flipperautomat der Firma Williams Electronics. Das Gerät wurde von der Flipper-Legende Steve Ritchie entworfen und zeichnet sich durch sein Science-Fiction- und Weltraum-Thema aus, das stark von den damaligen Trends wie Krieg der Sterne (Star Wars) und Kampfstern Galactica inspiriert war.

Der Stellar Wars ist ein sogenannter Super-Widebody-Flipper. Das Gehäuse und das Spielfeld sind extrem breit und massiv gebaut. Steve Ritchie entwarf ihn als taktischen Shooter, der maximale Konzentration erfordert.

Künstlerische Gestaltung: Das Artwork stammt von Constantino und Jeanine Mitchell. Während das Gehäusedesign (Cabinet) oft gelobt wird, stand das Backglass (die Motivscheibe am Kopf) in der Fangemeinde häufiger in der Kritik, da es qualitativ etwas amateurhaft wirkte und sich sehr offensichtlich am Look der “Zylonen” aus Battlestar Galactica bediente.

Laut Designer Steve Ritchie hatte das Gerät während der Entwicklungsphase den augenzwinkernden Arbeitstitel “PIGS IN SPACE” (eine Anspielung auf das Muppet-Show-Segment „Schweine im Weltall“). Auf dem ersten Prototyp (Whitewood) war dieser Schriftzug sogar mit einem Permanentmarker über die Lampeneinsätze gekritzelt, bevor das finale STELLAR WARS-Layout feststand.

Das Spielfeld des 4-Spieler-Automaten gilt als vollgepackt, schnell und für fortgeschrittene Spieler als echte Herausforderung:
Ausgestattet ist der Flipper mit 2 Flippern, 5 Pop-Bumpern (Schlagtürmen), zwei 3er-Drop-Target-Bänken, einer zentralen 4er-Drop-Target-Bank, einem Kick-out-Hole, zwei Spinnern sowie einem gefangenen Ball (“Messenger Ball”).

Das Spielsystem von Stellar Wars ist als taktischer Weltraum-Shooter konzipiert. Das primäre Ziel ist es, feindliche Raumschiffe (symbolisiert durch Drop-Targets) zu zerstören, um die Schriftzüge S-T-E-L-L-A-R und W-A-R-S zu vervollständigen. Das Spielfeld ist extrem breit (Widebody) und für das Jahr 1979 außergewöhnlich vollgepackt.
Hier ist das Regelwerk und das Spielsystem im Detail:

Die Hauptmission: STELLAR WARS buchstabieren
Das gesamte Spiel dreht sich um das Beleuchten der Buchstaben auf dem Spielfeld. Dies geschieht über die verschiedenen Target-Bänke:

Die S-T-E-L-L-A-R-Targets (Mitte): In der Mitte des Spielfelds befindet sich eine markante 4er-Drop-Target-Bank. Das Abräumen dieser Bank beleuchtet die Buchstaben für S-T-E-L-L-A-R. Achtung: Diese Bank ist brandgefährlich, da frontal getroffene Bälle oft direkt geradewegs nach unten zwischen die Flipperfinger (Center Drain) zurückschießen.

Die W-A-R-S-Targets (Seiten): An den Seiten befinden sich jeweils 3er-Drop-Target-Bänke. Das komplette Versenken dieser Bänke beleuchtet die Buchstaben für W-A-R-S.

Das Belohnungs-Ziel: Sobald beide Wörter komplett beleuchtet sind, leuchtet das zentrale Battlescope-Licht (Kick-out Hole). Schießt man den Ball nun dort hinein, erhält man sofort 50.000 Punkte und startet eine für die damalige Zeit spektakuläre Licht- und Soundshow.

Wie bei vielen klassischen Williams-Geräten dieser Ära ist der angesammelte Bonus am Ende einer Kugel (Ball) entscheidend für Highscores:

Jedes getroffene Target erhöht den Basis-Bonus.
Durch das dreimalige Abräumen bestimmter Target-Kombinationen wird der Bonus-Multiplikator (2x, 3x, 5x) freigeschaltet.

Der Clou bei Stellar Wars: Wenn du den Bonus-Multiplikator auf 5x bringst und danach die S-T-E-L-L-A-R- oder W-A-R-S-Bänke erneut komplett abräumst, wird das Extra-Ball-Licht oder das Special-Licht (Freispiel) aktiviert.

Die oberen Überroll-Bahnen (Top Lanes): Hier wird der Vorläufer des berühmten Lane Change genutzt. Wenn der Ball oben hineinprollt, kannst du über die Flipperknöpfe steuern, welche Lampe leuchtet. Das Kompaktieren dieser Gassen erhöht den Bonus-Multiplikator.

Der Messenger Ball (Gefangener Ball): Auf der linken Seite befindet sich ein gefangener Ball. Triffst du diesen hart genug, kickt er eine Kugel nach hinten an ein Target. Dies steuert den Wert der Spinner (die drehbaren Metallplättchen im oberen Bereich).

Die zwei Spinner: Wenn der Messenger-Ball den Spinner-Wert maximiert hat (“Value Lit”), bringt jede Umdrehung des Spinners massig Punkte. Ein präziser Schuss durch eine der Spinner-Gassen ist die schnellste Methode, um im normalen Spielverlauf Punkte zu jagen.

Die 5 Schlagtürme (Pop Bumper): Im oberen Bereich drängen sich fünf Schlagtürme auf engstem Raum. Gerät der Ball hierhinein, „brennt“ das Punktekonto förmlich ab, da der Ball extrem schnell hin- und hergeschleudert wird.

Das Spiel gilt wegen seiner brutalen Außenbahnen (“Outlanes”) als schwer zu kontrollieren. Besonders die mittlere Target-Bank birgt Risiken, da der Ball von dort aus extrem schnell direkt ins Aus zurückschießen kann.

Für das Sounddesign war Paul Dussault verantwortlich. Der Flipper erzeugt einen sehr markanten, pulsierenden Hintergrundsound, der an ein herannahendes Sonar- oder Radar-Echolot erinnert. Dieser Ton beschleunigt sich während des Spiels und erzeugt eine bewusste “Anspannung” und Dramatik beim Spieler. Ein kurioses Detail: Je nach Software-Einstellung im Menü läuft der Sound sogar nach dem Verlust des letzten Balls weiter, bis das Spiel endgültig im Game-Over-Modus angekommen ist.

Stellar Wars war eines der ersten Spiele, die der legendäre Designer Steve Ritchie für Williams Electronics entwarf, kurz nachdem er von Atari zu Williams gewechselt war. Ritchies Flipper zeichneten sich normalerweise durch rasantes Tempo und flüssige Ballläufe aus. Stellar Wars war jedoch ein Experiment: Williams zwang ihn praktisch dazu, einen „Super-Widebody“ zu bauen.
Die Maschine wirkte wie ein gewaltiger Wolkenkratzer und war so massiv, dass Williams danach nur noch ein einziges weiteres Spiel in exakt dieser extremen Gehäusebreite anfertigte (Laser Ball). Ritchie selbst bevorzugte eigentlich schmalere Gehäuse, bewies hier aber, dass er auch auf einer riesigen Fläche ein aggressives, taktisches Gameplay erzeugen konnte.

Stellar Wars ging als technologischer Vorreiter in die Geschichte ein: Die hellsten Lichter der Ära: Laut historischen Werksunterlagen war dieser Flipper das erste Modell überhaupt, bei dem Williams die sogenannten #89 Flashlamps (Blinklampen) einsetzte. Ein großer Plastikeinsatz zwischen den Flipperfingern verbarg diese extrem hellen Birnen, die bei besonderen Treffern wie Blitze aufleuchteten. Wer das Gerät im Dunkeln spielte, wurde damals regelrecht geblendet – ein spektakulärer Effekt für das Jahr 1979!

Der Automat besaß bereits softwaregesteuerte Mechanismen für die oberen Bahnen (Lanes), die Ritchie später perfektionierte und 1981 für den Welthit Firepower offiziell als das revolutionäre, patentierte „Lane Change“-Feature ausgab.

Das visuelle Design sorgte in der Flipper-Community für reichlich Gesprächsstoff. Während das Gehäuse (Cabinet) sehr dynamisch gezeichnet war, stand das Backglass (die Kopfscheibe) heftig in der Kritik. Das Grafiker-Ehepaar Constantino und Jeanine Mitchell hatte das Design entworfen. Die darauf abgebildeten Roboter und Aliens sahen den Zylonen aus der Serie Battlestar Galactica so extrem ähnlich, dass Williams damals haarscharf an einer Urheberrechtsklage vorbeischrammte. Gleichzeitig empfanden viele Spieler das Artwork der Charaktere als etwas „amateurhaft“ und flach gezeichnet, was dem Erfolg in den Spielhallen jedoch keinen Abbruch tat.

Der Sound-Designer Paul Dussault entwickelte für das Spiel ein pulsierendes Echolot-Geräusch, das im Laufe des Spiels immer schneller wurde, um den Puls des Spielers hochzutreiben. Das Spiel besaß jedoch eine kleine Kuriosität im Code: Wenn man im Menü die Sound-Optionen verstellte (der Sound-Modus 17 verhielt sich anders als der Standard-Modus 35), schaltete sich dieses bedrohliche Hintergrund-Wummern nach dem Verlust des letzten Balls einfach nicht mehr ab. Der Flipper verbleib im Game-Over-Modus, gab aber weiterhin das hektische Weltraum-Signal von sich, bis ein neues Spiel gestartet wurde.

Stellar Wars, Backglas
Backglas · Zoom
Stellar Wars, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Stellar Wars, Maschine
Maschine · Zoom