Stern · 1979
Meteor

Der Meteor Pinball ist einer der erfolgreichsten und beliebtesten Flipperautomaten der Solid-State-Ära (SS). Das Gerät wurde im September 1979 von Stern Electronics auf den Markt gebracht und basiert lose auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Film Meteor (1979) mit Sean Connery und Natalie Wood. Mit einer stolzen Produktionszahl von exakt 7.939 produzierten Einheiten (plus 423 Export-Bausätzen nach Australien) war Meteor der absolute Verkaufsrekord von Stern Electronics in dieser Ära und gilt in der Flipper-Community bis heute als zeitloser Klassiker, der besonders für seine hervorragenden Turniereigenschaften geschätzt wird.
Das Regelwerk von Steve Kirk gilt als extrem ausbalanciert und bietet ein klassisches “Risiko gegen Belohnung”-Szenario, bei dem sich alles um den Spinner (die Drehscheibe) dreht: Den Spinner aufladen. Der Basiswert des Spinners liegt bei 200 Punkten pro Drehung. Jedes getroffene gelbe Target der 6er-Bank (die Buchstaben E-T-E-O) erhöht den Wert um 200 Punkte. Die lila Targets ganz links und rechts (M und R) bringen sogar 600 Punkte extra pro Drehung.
Das Ziel ist es, den Spinner auf das Maximum von 2.000 Punkten pro Drehung hochzujagen. Triffst du alle 6 Targets und vervollständigst das Wort „M-E-T-E-O-R“, erhöht sich zwar dein Bonus-Multiplikator (bis zu 7x), aber die Targetbank wird komplett zurückgesetzt – und der wertvolle Spinner fällt sofort wieder auf mickrige 200 Punkte zurück.
Profis schießen gezielt die M- und R-Targets ab, lassen absichtlich ein oder zwei gelbe Targets in der Mitte stehen und feuern die Kugel danach ununterbrochen durch den voll beleuchteten Spinner.
Zusätzlich gibt es im Zentrum drei Raketen-Anzeigen (Rocket Columns), die mit den drei kleineren 3er-Targetbänken verknüpft sind. Schafft man es, alle drei Anzeigen auf dieselbe Stufe zu bringen, winkt ein “Wow”-Bonus von 70.000 Punkten.
Der Flipper entstand als direkte Kooperation mit den Machern des Katastrophenfilms Meteor (1979) und kam im September 1979 nur einen Monat nach dem Kinostart heraus.
Der Schriftzug „METEOR“ auf dem Backglass entspricht exakt der stilisierten Typografie des damaligen Kinoplakats.Interessant ist jedoch der thematische Perspektivenwechsel zwischen Filmplakat und Flipperkunst: Das Kinoplakat (gemalt vom berühmten Weltraum-Künstler Robert McCall) fokussierte sich auf die Bedrohung – eine hilflose Erde, auf die gigantische Asteroiden zurasen. Das Backglass des Flippers stellt den Spieler ins Zentrum der Rettung. Es zeigt die nuklearen Abwehrraketen der USA und der Sowjetunion, die im All abgefeuert werden, um den Asteroiden vor dem Aufprall zu zerstören. Der Spieler übernimmt am Flipper praktisch die Rolle der Kommandozentrale. Das wird im Regelwerk direkt aufgegriffen: Die drei kleineren Dreier-Targetbänke auf dem Spielfeld repräsentieren diese Raketen. Trifft man die Targets, “schießt” man die Raketen ab, um den Einschlag abzuwehren.
Das Artwork wird George Obregon (teilweise auch Leslie Kaip zugeordnet). Obregon nutzte ein für die späte Solid-State-Ära typisches, kontrastreiches Farbschema. Das Gehäuse (Cabinet) besticht durch ein geometrisches, fast schon psychedelisches Sternen- und Linienmuster in knalligem Rot, Gelb und Blau auf schwarzem Grund. Es sollte in den damals oft dunklen Spielhallen sofort ins Auge springen.
Das Backglass zeichnet sich durch echte, eingearbeitete Spiegeleffekte (Mirrored Backglass) aus. Durch eine separate, silberne Tintenschicht reflektieren Teile des Weltraums und der Raketen das Licht der Spielhalle. Dies verleiht dem Automaten eine enorme optische Tiefe.
Der Designer Steve Kirk stimmte das Spielfeld-Layout perfekt auf das Katastrophen-Thema ab. Das gesamte Spielfeld wirkt wie eine taktische Sternenkarte. Im Zentrum des Designs steht eine vertikale, beleuchtete Raketen-Anzeige (Rocket Columns). Das optische Ziel ist es nicht nur, Punkte zu sammeln, sondern durch das Treffen der Targets die Lichtbahnen der Raketen synchron nach oben zu jagen, um den Meteor symbolisch im All abzufangen. Dieses visuelle Feedback war 1979 wegweisend, da es das abstrakte Punktesammeln mit einer echten “Missions-Grafik” auf dem Spielfeld verband.
Der Meteor war der erste Stern Flipper mit dem neuen SB-300 Soundboard, welches auch Hintergrundsound ermöglichte.


