Stern · 1980
Big Game

Der Big Game war der erste Widebody Flipper von Stern und der erste Flipper mit Millionen-Anzeige. Stern erschuf mit dem Big Game den ersten Flipper mit breiterem Spielfeld, breiter als normal, aber schmaler als die Widebodies der Konkurrenz. Das ermöglichte Stern relativ viel auf des Spielfeld zu packen ohne den Nachteil der normalen Widebodies zu haben, den langen Ballwegen und dem langsamen Spiel.
Optisch geht es beim Big Game um das Thema Safari, was zum einen durch die Optik untermauert wird aber auch durch den Sound. Der Tgerkopf auf dem Backglas ist kaum zu übersehen und hat den Spieler immer im Blick.
Der Flipper Big Game (1980) zeichnet sich durch ein tiefgängiges Regelwerk aus, das stark von klassischen Bingo-Automaten inspiriert wurde. Harry Williams paarte dieses System mit einem innovativen Spielfelddesign.
Das Herzstück ist das Bingo-Kartensystem. In der Mitte des Spielfelds befinden sich drei digitale Bingo-Karten, die als X, Y und Z deklariert sind.Die Drop-Targets sind auf dem Spielfeld in drei Gruppen von jeweils drei Drop-Targets verteilt (insgesamt 9 Stück). Targetbank 1–3 steht links, 4–6 in der Mitte und 7–9 rechts.
Die Karten-Aktivierung erfogt über die Schlagtürme (Bumper), Überrollkontakte (Rollover) und Slingshots. Bei einem Treffer schaltet der Flipper in einem zeitlichen Intervall um, welche der drei Bingo-Karten gerade „aktiv“ (beleuchtet) ist. Trifft man ein Drop-Target, wird die entsprechende Zahl auf der aktuell aktiven Bingo-Karte registriert und beleuchtet. Das erfordert präzises Timing, da man das richtige Target treffen muss, bevor die aktive Karte wieder umspringt.

Die Karten geben Belohnungen für den Spieler frei:
Den Extra Ball (oder Besser die Möglichkeit eines Extraballs) erhält man durch das Beleuchten der „vier Ecken“ einer Karte, durch zwei vertikale/horizontale Linien auf zwei beliebigen Karten oder durch das komplette Vervollständigen der schwierigen Z-Karte.
Special (Freispiel): Wird beleuchtet, wenn man zwei diagonale Linien auf zwei Karten schafft.
Die Bonus-Multiplikatoren werden bis zu 3x erhöht, wenn man Karten komplett füllt oder Linien bildet. Hat man zusätzlich das Wort „BIG GAME“ komplett buchstabiert, schaltet sich ein 5x-Multiplikator frei.
Parallel zu den Bingo-Karten versucht man, den Namen des Spiels zu vervollständigen. Die Buchstaben B–I–G werden über die oberen Lanes beim Kugelabzug gesammelt. G–A sammelt man über Seitentargets auf der linken Seite. M–E wird über die klassischen Inlanes (Rücklaufbahnen zu den Flipperfingern) beleuchtet.
Der Jackpot (Saucer oben links): Jeder gesammelte Buchstabe erhöht den Wert des oberen Kick-out-Holes (Saucer) um 5.000 Punkte. Schafft man das komplette Wort, wächst der Wert auf 35.000 Punkte an. Schafft man es ein zweites Mal, sind bis zu 70,000 Punkte auf einen Schlag möglich. Eingesammelt wird dieser Wert, indem man die Kugel durch den linken Spinner schießt.
Sobald die X-Karte aktiv ist, leuchtet der linke Spinner für satte 2.000 Punkte pro Drehung (statt standardmäßig 1.000 Punkten). Eine beliebte Turnierstrategie ist es daher, die Kugel auf dem Flipperfinger zu stoppen, abzuwarten, bis die X-Karte aufleuchtet, und die Kugel dann mit voller Wucht durch den linken Spinner zu jagen. Ein einziger guter Schuss kann so über 100.000 Punkte einbringen.
Das Design des Big Game stammt von Harry Williams, der 1945 die Firma Williams gründete und davor freier Designer bei Bally war. 1959 verkaufte Harry Williams seine Firmenanteile und verabschiedete sich in den wohlverdienten Ruhestand nach Kalifornien.
Doch die Geschichte war noch nicht vorbei: Ende der 1970er-Jahre – mit dem Aufkommen der digitalen Solid-State-Elektronik – baten Sam und Gary Stern den inzwischen über 70-jährigen Williams, wieder Spiele zu entwerfen. Williams kehrte als freier Designer zurück und bewies, dass er die neue Computertechnik spielerisch perfekt beherrschte. Er entwarf für Stern Electronics späte Kulthits wie Flight 2000 (1980, Sterns erster Flipper mit Sprache), Dracula (1979) und eben das Widebody-Meisterwerk Big Game (1980).


