Flipper → Gottlieb

Gottlieb · 1982

Devil´s Dare

Devil´s Dare, Backglas

Der Devil’s Dare ist ein Widebody-Flipper, der im August 1982 von der Firma D. Gottlieb & Co. veröffentlicht wurde. Das Gerät basiert auf der Solid-State-Technologie (elektronischer Flipper) und nutzt die Gottlieb System 80A Architektur. Es zeichnet sich durch sein düsteres, mythologisches Thema rund um Fantasy und Religion aus und bot für die damalige Zeit eine hohe Spieltiefe. Insgesamt wurden 3.832 Flipper produziert.

In der Flipper-Geschichte nimmt Devil’s Dare einen besonderen Platz für Gottlieb-Sammler ein. Es war das erste Spiel seit über einem Jahrzehnt, das nicht von Gordon Morison (dem langjährigen Exklusiv-Künstler der Firma) illustriert wurde. Stattdessen gestaltete der berühmte Williams-Künstler Doug Watson das markante, teuflische Design.

Das Spielfeld wurde von Tom Sczfransky entworfen. Durch das “Widebody”-Gehäuse ist die Spielfläche deutlich breiter als bei Standard-Flippern dieser Ära. Der Flipper nutzt einen prägnanten Soundtrack, der sich dynamisch beschleunigt, je mehr Ziele der Spieler auf dem Feld trifft, was den Druck und die Atmosphäre im Spiel massiv erhöht.

Das Regelwerk konzentriert sich stark auf das Freischalten und Kontrollieren mehrerer Kugeln (Multiball). Das Spielfeld besitzt oben rechts einen zusätzlichen, umgekehrten Flipperfinger (“reverse back hand upper flipper”), mit dem man gezielt die oberen Drop-Target-Bänke ins Visier nehmen kann. Über dem normalen Flipper-Knopf gibt es einen manuellen Rettungsknopf (“Ball Save Button”). Schließt man bestimmte Target-Bänke ab, wird ein Rettungs-Gate im linken Auslauf aktiviert. Drückt man im richtigen Moment, lässt sich die Kugel vor dem Aus bewahren. 2-Ball & 3-Ball Multiball-Spiel: Das Abräumen der Drop-Target-Bänke schaltet die “Capture Cave” (Fanghöhle) und den “Capture Pit” frei. Werden dort zwei Bälle eingeloggt, startet ein actionreicher 3-Ball-Multiball. Alternativ lässt sich über Seitengassen auch ein schneller 2-Ball-Multiball auslösen. Schafft man es, während des Multiballs extrem gut zu punkten (über 50.000 Punkte vor dem Verlust der Bälle), spendiert das Spiel nach dem regulären Multiball eine exklusive Extra-Multiball-Runde als Belohnung.

Gottlieb galt traditionell als sehr konservative, familienfreundliche Firma. Ihr bisheriger Chef-Designer Gordon Morison zeichnete über 20 Jahre lang zugängliche Comic- und Fantasy-Motive. Für den Devil’s Dare engagierte man jedoch den jungen Doug Watson (der später legendäre Williams-Flipper wie Indiana Jones oder Terminator 2 gestaltete). Watson reichte einen ersten, extrem düsteren Entwurf ein. Als die Gottlieb-Chefetage den Prototyp sah, zog sie sofort die Notbremse: Das Artwork wurde als „zu extrem“ eingestuft. Der Grund: Watson hatte rund um die Punkteanzeigen nackte, grüne Frauen mit Fledermausflügeln gezeichnet. Die Sorge vor einem Boykott durch konservative Spielhallen-Betreiber war zu groß. Ein weiterer Künstler, Dave Moore, musste einspringen und retuschierte Watsons Design eilig um, sodass es in der finalen Version deutlich zahmer erschien. Doug Watson besitzt das einzige, unzensierte Original-Backglass bis heute privat.

In Flipper-Foren wird das finale Design trotz der Entschärfung als Meilenstein gefeiert. Sammler bezeichnen den Devil’s Dare wegen seiner grellen, giftigen Farben (Orange, Rot, Giftgrün) und der dämonischen Fratze oft als das „Sex Pistols-Albumcover der Flipperwelt“. Es war ein radikaler, aggressiver Bruch mit allem, was man bis dahin von Gottlieb gewohnt war. Der Devil’s Dare wurde von Tom Szafransky entworfen. In der offiziellen Internet Pinball Machine Database ist dies das einzige jemals von ihm designte Flipper-Gerät. Er hinterließ der Community ein extrem asymmetrisches, schnelles und unter Profis hochgeschätztes Spielfeld, verließ die Branche danach jedoch wieder.

Devil´s Dare, Backglas
Backglas · Zoom
Devil´s Dare, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Devil´s Dare, Maschine
Maschine · Zoom