Flipper → Bally

Bally · 1975

Wizard

Wizard, Backglas

Der Wizard ist einer der großen Erfolgsflipper der Firma Bally. Über 10.000 Geräte wurden verkauft. Der alte Verkaufsrekord eines Bally Flippers stand bis dato bei ca. 5200 Maschinen (Monte Carlo 1973). Dieser Rekord wurde vom Wizard fast verdoppelt. Der Wizard war der Wendepunkt in Ballys Verkausfzahlen und der Anfang von Bally’s Marktführerschaft.

Als Greg Kmiec den Wizard entwarf, hatte er eigentlich an ein Thema mit Zauberern gedacht. Doch zum Glück kam es anders. Paramount Pictures brachte den Film “Tommy” heraus. In dieser Rockoper spielen Elton John an einem Buckaroo und Roger Daltrey (der Sänger der Rockgruppe “The Who”) an einem Kings & Queens. Der ganze Film handelt von einem blinden Jungen, der zum “Pinball-Wizard” aufsteigt. Also taten sich Bally und Paramount zusammen und brachten einen Flipper zum Film heraus, den Wizard.

Zwar gab es schon früher Flipper mit Schauspielern oder Filmthemen z.B. Prospector - Dick & Doof (Stan Laurel & Oliver Hardy), aber der Wizard machte zum ersten Mal das, was man heute als Merchandising bezeichnet. Roger Daltrey und seine Freundin Ann-Margret sind auch das Hauptmotiv auf dem Backglass. Aber auch Elton John bekam 1975 noch seinen Flipper, den Captain Fantastic, der mit über 16.000 verkauften Maschinen ein noch größerer Erfolg war.

Neu beim Wizard waren die sogenannten “Flip Flags”: eine kleine Bank mit vier kleinen Klappen (Flags), die man umlegen konnte (flip). Die Idee dazu kam von einer kleinen Firma namens Dave Nutting Associates. Jeder Klappe ist ein Target zugeordnet. Trifft man dieses Target, wird die Klappe umgelegt. Aktiviert wird das erspielte Feature aber erst, wenn die Kugel die neben den Klappen angeordneten Überrollsterne betätigt.

Um dieses neue Feature herum wurden weitere Standardfeatures angeordnet: ein Kugelfangloch am oberen Spielfeldrand, darunter eine 3er Schlagturmgruppe in klassischer Anordnung sowie ein Spinner an der linken Spielfeldseite. Die vier Ziele, die die Flags steuern, sind dann allesamt in der unteren Spielfeldhälfte zu finden.

Der Wizard ist eine gelungene Kombination aus Design, Optik und Vermarktung eines aktuellen (Film) Themas. Der große kommerzielle Erfolg dieses Flippers erlaubte es Bally, mehr Geld in die Entwicklung neuer Spiele zu stecken und die führende Position unter den Herstellern zu erreichen und für lange Zeit zu festigen.

Der Wizard besitzt einen Bonus, der bis zu 19.000 Punkte zählt und verdoppelt werden kann. Durch eine jeweils über den Spielerzählwerken angebrachte Zusatzlampe kann der Wizard (obwohl nur 5-stellig) Punktestände bis zu 199.990 Punkten anzeigen.

Der Grafiker Dave Christensen war in der Flipper-Szene für seine extrem detailreichen, oft provokanten und erotisch angehauchten Zeichnungen bekannt. Beim Wizard! trieb er es für die damalige Zeit (1975) auf die Spitze: Er schmuggelte auf der Kopfscheibe (Backglass) diskret anzügliche Details ein. Unter anderem zeichnete er eine im Hintergrund recht freizügig angekettete Dame (angelehnt an die Schauspielerin Ann-Margret). Das Management von Bally übersah diese Details bei der Abnahme komplett. Erst als die ersten Geräte in den erzbayerischen oder ultrakonservativen US-amerikanischen Kneipen standen und für rote Köpfe sorgten, fiel es auf. Bally stoppte die Produktion mitten im Lauf und zwang Christensen, das Design zu entschärfen. Geräte mit der originalen, unzensierten „X-Rated“-Kopfscheibe sind heute unter Sammlern die absolut wertvollsten Kronjuwelen.

Wenn man das Spielfeld genau betrachtet, fällt auf, dass fast alle Plastikpfosten (Posts) einheitlich gefärbt sind – bis auf einen einzigen. Auf der linken Seite leuchtet ein einzelner Pfosten in knalligem Rot. Das war keine Fehlproduktion, sondern die persönliche „Signatur“ des Designers Greg Kmiec. Weil Designer damals auf den Geräten namentlich nicht genannt wurden, hinterließ Kmiec in fast all seinen Flipper-Layouts diesen einen roten Pfosten als sein Markenzeichen.
Das Rätsel der orangenen Sterne (Rollovers). Ein weiteres Detail, das Flipper-Detektive bis heute beschäftigt, sind die Kontaktsterne im Spielfeld (die Star Rollovers, über die die Kugel rollt).In der regulären Serie sind diese Einsätze grün. Aus völlig ungeklärten Gründen verließ jedoch eine winzige, unbekannte Stückzahl das Werk mit orangenen Sternen. Ob es eine Materialknappheit in der Fabrik war oder ein Testlauf – wer heute einen Wizard!npm run dev
mit originalen, orangenen Rollovers besitzt, hat eine echte Rarität.

Der Wizard gehört zu den gesuchtesten elektromechanischen Sammlergeräten.

Wizard, Backglas
Backglas · Zoom
Wizard, Spielfeld
Spielfeld · Zoom
Wizard, Maschine
Maschine · Zoom